VÖBAS kritisiert Studie - Nicht zu viel, sondern zu wenig ökonomische Bildung in NRW

Donnerstag, Januar 17, 2019

In einer Stellungnahme vom 12.1.2019 weist der Vorstand des VÖBAS e.V. die von Professor Dr. Reinhold Hedtke (Universität Bielefeld) verbreitete Behauptung zurück, dass im Unterricht der Fächer Politik und Politik-Wirtschaft an nordrheinwestfälischen Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien der Anteil von wirtschaftlichen Themen deutlich höher sei als der von politischen Themen. Seine mit „scheingenauer Akribie“ erstellten Berechnungen stellten die „tatsächlichen Verhältnisse in den Schulen teilweise regelrecht auf den Kopf“. Erstens sei eine eindeutige Zuordnung einzelner Lehrplanthemen zu den vermeintlich trennscharfen Kategorien Politik, Ökonomie und Gesellschaft nicht immer möglich. Zweitens sei es „nicht nur fachlich unzulässig, sondern auch unredlich, sämtliche Maßnahmen der beruflichen Orientierung (wie Schülerbetriebspraktika, Berufsfelderkundungen, Besuche in den Berufsinformationszentren, Potenzialanalysen etc.) einseitig der ökonomischen Bildung zuzurechnen“; diese stellten ausweislich der Erlasslage vielmehr eine „gesamtschulische Aufgabe“ dar. Drittens säßen Hedtke und seine Mitstreiter einer „fatalen Verwechslung von Norm und Realität auf“. Kernlehrpläne beschrieben „Ansprüche an das schulische Lehren und Lernen, nicht aber die Wirklichkeit an und in den Schulen“, die gerade durch die häufige Abwesenheit von fachlich fundiertem Wirtschaftsunterricht gekennzeichnet sei. Erschwerend komme hinzu, „dass auch ein sozialwissenschaftliches Lehramtsstudium an einer nordrheinwestfälischen Hochschule die angehenden Lehrkräfte nicht notwendig optimal für einen fachlich fundierten Wirtschaftsunterricht vorbereite“. Demgegenüber begrüßt VÖBAS die Initiative des Schulministeriums zur Einführung des Faches Wirtschaft „als den längst überfälligen Versuch, endlich die Kluft zwischen dem in Rahmenvorgaben und Lehrplänen formulierten Anspruch und der in den Schulen realisierten prekären Praxis ökonomischer Bildung im Lande NRW zu schließen“.
Die vollständige Stellungnahme finden Sie auf dieser Seite unter „Positionen“.