Schulfach Wirtschaft in NRW –VÖBAS nimmt Stellung

Donnerstag, Juni 22, 2017

Schulfach Wirtschaft in NRW –VÖBAS nimmt Stellung

In ihrem „Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017-2022“ haben CDU und FDP ihre Absicht bekundet, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren, in dem unter anderem Kenntnisse unserer Wirtschaftsordnung ebenso wie Aspekte der Verbraucherbildung vermittelt werden“ sollen. Zur Begründung heißt es: „Wir wollen Schülerinnen und Schüler besser auf eine selbstbestimmte Lebensgestaltung und einen erfolgreichen Berufseinstieg vorbereiten. Ökonomische Bildung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung.“

Der seit einigen Jahren auch in NRW aktive Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (VÖBAS) begrüßt und unterstützt dieses Vorhaben, das ein Grundanliegen der in unserem Verein zusammengeschlossenen Lehrerinnen und Lehrer aufgreift. Insbesondere finden wir es konzeptionell richtig, dass die Verbraucherbildung, die im Kern eine Aufgabe der ökonomischen Bildung ist, Bestandteil des Faches Wirtschaft sein soll. (Siehe unsere Stellungnahme zur Rahmenvorgabe „Verbraucherbildung in Schule“). Wir regen darüber hinaus an, die Berufs- und Studienorientierung (BOS) fest in den Curricula des Faches Wirtschaft zu verankern, da wesentliche Themen und Inhalte der BOS klassische Gegenstände der ökonomischen Bildung sind.

Damit das ambitionierte Vorhaben einer fachlich verankerten ökonomischen Bildung für alle Schülerinnen und Schüler im Lande Nordrhein-Westfalen gelingen kann, sind nach unserer Erfahrung und Überzeugung folgende Schritte unabdingbar:

  1. Schnellstmögliche Einrichtung eigener Lehramtsstudiengänge für das Fach Wirtschaft an nordrhein-westfälischen Hochschulen, weil ohne eine fachwissenschaftlich und fachdidaktisch qualifizierte Lehrerschaft der Anspruch des Faches verspielt werden könnte.
  2. Für die Übergangszeit Etablierung eines Systems von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen nach dem Präsenz- und Onlinephasen verbindenden Konzept des „Blended e-learning“, weil die Gewinnung von Lehrkräften durch eine grundständige Ausbildung an Hochschulen und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung einen zu langen Zeitraum in Anspruch nehmen würde.
  3. Zügige Entwicklung von Kerncurricula für das Schulfach Wirtschaft an den verschiedenen Schulformen und Schulstufen, die den Lehrkräften Orientierung und Verhaltenssicherheit bei der unterrichtlichen Realisierung gewähren.

Wir begrüßen außerdem den Willen der Koalitionäre, zur Ausgestaltung des neuen Faches „auf bereits bestehende Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen wie auch aus anderen Bundesländern zurückzugreifen und schulische, außerschulische sowie wissenschaftliche Expertise einzubinden“. In der Tat müssen nicht alle didaktischen Räder neu erfunden werden. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass die zentralen Anliegen des neuen Faches in endlosen Gremienprozessen zerredet werden.

VÖBAS-Mitglieder haben in den Schulen und in der Lehrerfortbildung engagiert an dem von der Vorgängerregierung leider eingestellten Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“ mitgewirkt. Wir sind gerne bereit, die dabei gewonnenen Einsichten und Erfahrungen in die Konzipierung und Implementation des Faches Wirtschaft einzubringen. (Siehe dazu auch unser Memorandum „Wirtschaft an Realschulen – Ökonomische Bildung braucht ein Fach“)

22. Juni 2017, der erweiterte Vorstand des VÖBAS e.V.

Geschäftsstelle: VÖBAS e.V., Blumenstraße 19, 26121 Oldenburg
Email: info@voebas.de Homepage www.voebas.de