Europa und aktuelle Bildungspolitik - 11. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg

Samstag, März 17, 2018

Europa im Fokus
Den inhaltlichen Schwerpunkt des 11. Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung am 9. März 2018 bildete die "Europäische Union zwischen Krise und Aufbruch". In ihrem fulminanten Eröffnungsvortrag zum Thema „Der Brexit und die Zukunft der EU“ skizzierte Dr. Barbara Lippert, Forschungsdirektorin der renommierten „Denkfabrik“ Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) zunächst die nur schwer vereinbaren Positionen in den aktuellen Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union über den Austritt aus der EU und die zukünftigen britisch-europäischen Beziehungen. Im zweiten Teil ihres Vortrags warf sie einen skeptischen Blick auf die Bemühungen, den Zusammenhalt zwischen den politisch, ökonomisch und kulturell auseinanderdriftenden  verbliebenen 27 EU-Mitgliedsstaaten zu bewahren. Im Forum 3 „Europabildung in schwierigen Zeiten“ entwickelte der Gründer und wissenschaftliche Leiter des Oldenburger Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) Prof. Dr. Hans Kaminski die Umrisse eines europapolitischen Gesamtcurriculums, welches die europäische Dimension in allen Phasen des ökonomischen und politischen Unterrichts mitdenkt und mitbehandelt. Vier nachmittägliche Workshops griffen diese Impulse auf. Auf außerordentliche Resonanz stieß der von Arne Stemmann (Universität Oldenburg) und Dr. Michael Koch (IÖB Oldenburg) geleitete Workshop „Was wären wir ohne die EU? Wie Europa unseren Alltag bestimmt - Anregungen für den Unterricht in der Sekundarstufe I“. Aber auch die übrigen Workshops erfreuten sich hoher Besucherzahlen. Im Workshop „Der Brexit im Unterricht“ gab Dr. Karl-Josef Burkard (Universität Oldenburg) didaktisch-methodische Anregungen zur politisch-ökonomischen Einordnung der Brexit-Entscheidungen und –Verhandlungen sowie zur Auseinandersetzung mit den von der EU-Kommission in ihrem Weißbuch vom 1.3.2017 vorgestellten fünf Szenarien zur Zukunft der EU. Dirk Gerlach von der Hauptverwaltung Hannover der Deutschen Bundesbank zeigte in seinem Workshop zum Thema „Einheitliche Geldpolitik für einen heterogenen Wirtschaftsraum“ die nach wie vor nicht wirklich gelösten Probleme und die unklaren Perspektiven der Eurozone auf. Und schließlich weiteten Ludger Hillmann (Altes Gymnasium Oldenburg) und Hartmut Riggers (Bremen) die innereuropäischen Debatten in eine globale Dimension, indem sie am chinesischen Großprojekt „Neue Seidenstraße“ exemplarisch die Herausforderungen beleuchteten, die der Aufstieg Chinas zur Weltmacht für die Europäische Union mit sich bringt.
Bildungspolitik aktuell
Den bildungspolitischen Anspruch des Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung dokumentierte nicht nur das gemeinsame Grußwort von Gesa Johannes und Michael Math aus dem Referat 33 des Niedersächsischen Kultusministerium, in dem diese sowohl auf die neuen Vorgaben für die Berufs- und Studienorientierung im Lande Niedersachsen als auch auf das unmittelbar vor der Veröffentlichung stehende neue Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe eingingen. Diese aktuellen Themen wurden auch in zwei Foren aufgegriffen und intensiv diskutiert. Im Forum 2 „Neue Vorgaben zur Berufs- und Studienorientierung in Niedersachsen“ erörterten Karin Benecke, Fachmoderatorin für Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT) und Berufsorientierung, und Prof. Dr. Rudolf Schröder, Inhaber der bundesweit einzigen Professur für Ökonomische Bildung mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung an der Universität Oldenburg, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern praktische Probleme und Realisierungsansätze für die berufliche Orientierung an den verschiedenen Schulformen. Im Forum 1 zum „neuen Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen“ stellte Dr. Karl-Josef Burkard (in Vertretung der erkrankten Stefan Schneider und Dirk Loerwald) zunächst in einer vergleichenden Perspektive Kontinuitäten und Wandlungen der curricularen Entwicklung im Fach Politik-Wirtschaft heraus, um anschließend eine lebhafte Diskussion zu moderieren, in der mit Blick auf die schon jetzt für das Schuljahr 2018/19 zu treffenden Entscheidungen und Vorbereitungen insbesondere Fragen der Verknüpfung von bewertetem Fachunterricht und nicht bewertetem Unterricht zur Berufs- und Studienorientierung aufgeworfen wurden. (Siehe auch die „Problemanzeige“ in der Tagungsdokumentation)
Ausblick:
Der 12. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen findet am Freitag, dem 15. März 2019, in der Universität Oldenburg zum Thema "Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen" statt.
Eine umfangreiche Tagungsdokumentation, die nach Möglichkeit noch weiter ergänzt werden wird, finden Sie hier.