Aktuelles

In dieser Rubrik finden Sie in chronologischer Reihenfolge Erklärungen, Beschlüsse, Mitteilungen von VÖBAS e.V. zu Fragen der ökonomischen Bildung

Klimawandel Thema der Tage der ökonomischen Bildung 2020

Freitag, November 1, 2019

Der Klimawandel ist mit außerordentlichen ökonomischen Herausforderungen verbunden: Zum einen steigen die Aufwendungen für die Anpassung an den Klimawandel und für die Beseitigung von Klimaschäden. Zum anderen bedarf es umfassender und rascher Veränderungen der Produktions- und Lebensweise, um durch eine massive Reduktion der Treibhausgasemissionen die globale Erwärmung zu begrenzen.
Nach den großen Themen Demografie, Globalisierung, Migration, Zukunft des Geldes, Europa, Digitalisierung und Strukturwandel greifen wir bei den Tagen der ökonomischen Bildung 2020 in Münster und Oldenburg mit dem Klimawandel erneut ein „Megathema“ auf, das grundsätzlich alle Dimensionen und Inhaltsfelder des Wirtschafts- und Politikunterrichts berührt. Beide Tagungen folgen dem bewährten Muster von fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Vorträgen am Vormittag und vertiefenden und konkretisierenden Workshops am Nachmittag. In Münster kooperieren wir mit dem IÖB Münster, in Oldenburg mit dem IfÖB an der Universität Oldenburg.
 
7. Tag der ökonomischen Bildung für NRW am Dienstag, dem 10.3.2020, in der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Scharnhorststraße 100
 
13. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen am Freitag, dem 20.3.2020, in der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Standort Uhlhornsweg, Bibliothekssaal)
 
Fachvorträge in Münster
Für den fachwissenschaftlichen Einführungsvortrag Prof. Dr. Barbara Praetorius gewonnen werden, die an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) Berlin eine Professur für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Energieökonomie und -politik innehat. Zuletzt wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit als eine der vier Vorsitzenden der Regierungskommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung („Kohlekommission“) bekannt. Den fachdidaktischen Vortrag hält Prof. Dr. Günther Seeber, Universität Koblenz-Landau, langjähriger Geschäftsführer und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung. Sein Thema: „Globale Umweltprobleme und Umweltpolitik in der ökonomischen Bildung - fachdidaktische Ansätze"
 
Fachvorträge in Oldenburg
Die bekannte Umweltökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance, wird das wirtschaftswissenschaftliche Hauptreferat halten. Die wirtschaftsethische Perspektive wird Prof. Dr. Nick Lin-Hi, Professur für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta, einbringen: „Klimawandel und Klimaschutz im digitalen Zeitalter: Warum Wirtschaftsethik neu und schneller gedacht werden muss“
 
Workshops
 
Münster: Nachhaltiger Konsum? Konsumverhalten und Klimawandel; Klimagerechtes Bauen und Wohnen – neue Wege im Handwerk; Experimente zu Fragen des Klimawandels und der Umweltpolitik; Materialien-Portfolio zu den ökonomischen Herausforderungen des Klimawandels; Die neuen Kernlehrpläne Wirtschaft bzw. Wirtschaft-Politik für die Haupt-, Real- und Gesamtschulen in NRW
 
Oldenburg: Nachhaltiger Konsum? Konsumverhalten und Klimawandel; Herausforderungen und Chancen des Klimawandels für die Wirtschaft im Nordwesten; Klimawandel und technische Innovationen - Gründer berichten; Experimente zu Fragen des Klimawandels und der Umweltpolitik; Materialien-Portfolio zu den ökonomischen Herausforderungen des Klimawandels
 
Weitere Informationen folgen. Anfang Januar 2020 wird das digitale Anmeldesystem freigeschaltet werden.

KLP Wirtschaft-Politik für NRW tritt zum 01.08.2019 in Kraft

Mittwoch, Juni 26, 2019

Zum 1.8.2019 treten die neuen Kernlehrpläne für das Gymnasium in NRW aufsteigend in Kraft; zunächst für die Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2019/20 in die 5. oder 6. Jahrgangsstufe eintreten. Die Änderungen des Kernlehrplans für das neue Fach Wirtschaft-Politik gegenüber der Entwurfsfassung sind minimal; sie betreffen u.a. die Kompetenzerwartungen für die Inhaltsfelder 6 „Unternehmen und Gewerkschaften…“, 7 „Soziale Sicherung…“, 8 „Verbraucher …“. Wir bleiben daher bei unserer in der Verbändeanhörung geäußerten Einschätzung des Kernlehrplans: Einerseits vergrößert er das Spektrum ökonomisch relevanter Themen und signalisiert so die Absicht, der ökonomischen Bildung in der Sekundarstufe I des Gymnasiums einen höheren Stellenwert einzuräumen. Andererseits wird er konzeptionell den hohen Erwartungen an ein gemeinsames Fach der ökonomischen und politischen Bildung nur mit Einschränkungen gerecht. (Siehe dazu unsere Stellungnahme in der Rubrik "Positionen".)
Link zur Online-Version des Kernlehrplans: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplan/215/KLP%20GY%20S...

Anhörfassung des KC Gesellschaftslehre für die IGS Niedersachsen

Mittwoch, Juni 26, 2019

Das Unterrichtsfach Gesellschaftslehre an den niedersächsischen Gesamtschulen integriert bisher die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik. Die vorliegende Anhörfassung übernimmt an Stelle von „Politik“ nicht nur die neue Fachbezeichnung „Politik-Wirtschaft“, sondern auch zusätzliche Inhalte aus dem Lernbereich Wirtschaft. Aus der Perspektive des VÖBAS e.V. wirft die Neufassung des Kerncurriculums eine Reihe von Fragen auf. Der VÖBAS-Vorstand betont in seiner Stellungnahme u.a. folgende Punkte:

  1. Die Integration einer weiteren Disziplin in das Unterrichtsfach Gesellschaftslehre verschärft das Problem aller Integrationsfächer, dass die unterrichtenden Lehrkräfte nur selten in mehr als einer Bezugswissenschaft ausgebildet sind.
  2. Die Aufnahme zusätzlicher wirtschaftsbezogener Inhalte in ein inhaltlich ohnehin schon überfrachtetes Curriculum begünstigt das eher oberflächliche Abarbeiten der curricularen Vorgaben und unterläuft somit den Anspruch „inhaltlicher Tiefe“.
  3. Die bewährte Arbeitsteilung zwischen dem Fachbereich Arbeit-Wirtschaft-Technik mit Wirtschaft als Leitfach der ökonomischen Bildung und der Berufsorientierung einerseits und dem Fach Gesellschaftslehre als Leitfach der politisch-historisch-geographischen Bildung andererseits sollte unbedingt beibehalten werden.
  4. Da die ökonomische Bildung an der Integrierten Gesamtschule bereits im Fachbereich AWT institutionalisiert ist, können die wirtschaftsbezogenen Themen des Faches Politik-Wirtschaft im Fach Gesellschaftslehre weitgehend entfallen.
  5. Das Fach Politik-Wirtschaft in der gymnasialen Oberstufe kann sowohl auf die politischen Kompetenzen aus dem Unterrichtsfach Gesellschaftslehre als auch auf die ökonomischen Kompetenzen aus dem Teilbereich Wirtschaft des Fachbereichs AWT zurückgreifen; die Anschlussfähigkeit ist dadurch hinreichend gesichert.
  6. Wenn das KC Gesellschaftslehre nicht die noch ausstehende Novellierung des Kerncurriculums AWT präjudizieren soll, muss mit seiner Inkraftsetzung bis zu der unbedingt notwendigen inhaltlichen Feinabstimmung der beiden Kerncurricula gewartet werden.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie auf dieser Seite in der Rubrik  Positionen.

Stellungnahme des VÖBAS e.V. zum Kernlehrplan Wirtschaft-Politik NRW

Freitag, April 5, 2019

VÖBAS hat im Rahmen der Verbändebeteiligung zum Entwurf des Kernlehrplans (KLP) Wirtschaft-Politik für die Sekundarstufe I des Gymnasiums in NRW Stellung genommen. Die Einschätzung des Kernlehrplans fällt zwiespältig aus: Einerseits vergrößert er das Spektrum ökonomisch relevanter Themen und signalisiert so die Absicht, der ökonomischen Bildung in der Sekundarstufe I des Gymnasiums  einen höheren Stellenwert einzuräumen. Andererseits wird er konzeptionell den hohen Erwartungen an ein gemeinsames Fach der ökonomischen und politischen Bildung nur mit Einschränkung gerecht. Die VÖBAS-Stellungnahme bemüht sich in kritisch-konstruktiver Absicht, nicht nur Stärken und Schwächen zu benennen, sondern auch konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen. Die vollständige Stellungnahme finden Sie auf dieser Seite unter Positionen.

Kontinuität oder Disruption? 12. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg

Samstag, März 16, 2019

Im bewährten Dreischritt von Fachvortrag, Podiumsdiskussion und vertiefenden Workshops fand am 15. März 2019 der von VÖBAS organisierte 12. Tag der ökonomischen Bildung in der Universität Oldenburg statt. Rund 160 Lehrkräfte aller Schulformen aus Niedersachsen und Bremen waren im Bibliothekssaal zusammen gekommen, um das in allen Curricula der ökonomischen und politischen Bildung verankerte Thema „Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen“ mit Vertretern aus Unternehmen, Gewerkschaft, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Hochschule in fachlicher, bildungspolitischer und didaktisch-methodischer Hinsicht zu beleuchten. Während der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Professor Dr. Werner Abelshauser in seinem einführenden Vortrag die aktuellen Veränderungsprozesse in die Kontinuitäten deutscher Wirtschaftsgeschichte einordnete, betonten in der anschließenden Podiumsdiskussion Dr. Thomas Hildebrandt von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, Johannes Katzan von der IG Metall, Kristjan Messing von der Agentur für Arbeit und Prof. Dr. Rudolf Schröder von der Universität Oldenburg eher die disruptiven Tendenzen des digitalen Wandels. Dessen Herausforderungen machten neue Geschäftsmodelle, neue Formen der Arbeitsorganisation, neue Beratungskonzepte und erhebliche Bildungsanstrengungen erforderlich. In den sechs Workshops wurden die Auswirkungen der Digitalisierung am Beispiel der Automobilbranche und des Finanzsektors sowie mit Blick auf den Wirtschaftsunterricht, das Betriebspraktikum und die berufliche Orientierung vertieft.
Die „Nordwest-Zeitung“ berichtete am 16.3.2019 in ihrem Wirtschaftsteil unter dem Titel „Keine Bange vorm Strukturwandel?“ ausführlich über die Veranstaltung: https://www.nwzonline.de/wirtschaft/oldenburg-oekonomische-bildung-in-ol...
Eine ausführliche Tagungsdokumentation finden Sie hier.

Digitalisierung im Fokus - Bericht über den 6. Tag der ökonomischen Bildung in Münster

Montag, März 11, 2019

Am Ende waren es fast einhundert Menschen, die sich am 7. März 2019 zum 6. Tag der ökonomischen Bildung NRW in der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster zum Thema „Digitalisierung“ eingefunden hatten. In ihrer Eröffnungsrede rief Bundesforschungsministerin Anja Karliczek dazu auf, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Neben einer digitalen Bildung, die sich nicht in einem „Unterricht mit digitalen Mitteln“ erschöpfen dürfe, sondern deren kritische Reflexion einschließen müsse, bedürfe es einer dem Verständnis grundlegender wirtschaftlicher Zusammenhänge dienenden ökonomischen Bildung. Nach dem Fachvortrag von Dr. Alexander Del Toro Barba, Machine Learning Product Specialist bei Google Europe, über aktuelle Trends des Maschinenlernens und der künstlichen Intelligenz erörterten Dr. Vera Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft, Petra Maier von der Verbraucherzentrale NRW und Theo Wübbels von der Agentur für Arbeit Auswirkungen der digitalen Revolution auf Unternehmen, Konsumenten und Arbeitsmärkte sowie Herausforderungen für schulische Bildungsprozesse. Die anschließenden Workshops spannten einen weiten Bogen von konkreten Anwendungsfeldern der Digitalisierung, praktischen Aspekten des Unterrichts und grundsätzlichen Fragen nach der Rolle der Lehrpersonen im digitalen Zeitalter bis zur aktuellen Diskussion über den Entwurf eines Kernlehrplans für das neugestaltete Fach Wirtschaft-Politik. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.

Ökonomische Bildung fachkundig vermitteln - Verbände und Institute appellieren

Samstag, März 9, 2019

Die Implementierung einer fachlich fundierten ökonomischen Bildung in den verschiedenen Schulformen des Landes NRW erfordert zum einen die Einrichtung grundständiger Lehramtsstudiengänge für die künftigen Lehrkräfte und zum anderen umfassende Fort- und Weiterbildungsangebote für die bereits aktiven Lehrerinnen und Lehrer der neuen Schulfächer Wirtschaft, Wirtschaft-Politik und Wirtschaft und Arbeitswelt. Fachliche und fachdidaktische Lehrerfortbildungen im Bereich der ökonomischen Bildung müssen priorisiert und den Schulen dazu die nötigen Handlungsspielräume eröffnet werden. Dabei sollten auch  digital gestützte Lehr- und Lernformate des „Blended Learning“ zum Einsatz kommen. Die Teilnahme an solchen Fortbildungsangeboten sollte im Sinne einer nachhaltigen Anerkennung der erworbenen Qualifikationen zertifiziert werden. Dies fordert ein Netzwerk von Lehrstühlen, Verbänden und Stiftungen, dem sich auch VÖBAS angeschlossen hat, in einem gemeinsamen Positionspapier, auf das Sie über diesen Link zugreifen können: https://www.bdvb.de/schulfach-wirtschaft

Forschungsministerin Karliczek eröffnet Tag der ökonomischen Bildung in Münster

Samstag, März 9, 2019

Mit einem „flammenden Appell“ (so die „Westfälischen Nachrichten“) eröffnete am 7. März 2019 Bundesforschungsministerin Anja Karliczek den 6. Tag der ökonomischen Bildung NRW zum Thema „Digitalisierung. Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Schule“ in der Universität Münster.
Im verschärften Wettbewerb mit China und den USA könnten Deutschland und Europa ihren Wohlstand nur bewahren, wenn sie „weiterhin in der ersten Liga mitspielen“ und „die Chancen der Digitalisierung zum Wohle aller nutzen“. Massive Investitionen in Forschung und Bildung seien erforderlich, um die jungen Menschen „in die Lage zu versetzen, sie gestalten zu können“. Die digitalen Mittel gehörten „in dafür aus- und weitergebildete Lehrerhände“, damit daraus „guter Unterricht“ werde – nicht nur „Unterricht mit digitalen Mitteln“, sondern auch „über digitale Mittel“: „Mir ist wichtig, dass alle Kinder schon in der Schule lernen, sich selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen. Ich möchte, dass sie wissen, was Algorithmen sind und wie sie funktionieren. Damit sie verstehen, warum ihnen das Smartphone immer wieder genau das präsentiert, was sie mögen.“ Wenn Jugendliche das durchschauten, hätten sie die Chance, „sich bewusst aus den Echokammern hinauszubewegen, zwischen Fakten und Fake zu unterscheiden und zu kritischen Erwachsenen heranzuwachsen“.
Dem Verständnis der Zusammenhänge diene auch die ökonomische Bildung, die grundlegende Fragen aufwerfe: „Was bedeutet soziale Marktwirtschaft? Wie wirkt sie sich auf das Leben eines jeden Einzelnen aus? Wie müssen wir zum Beispiel angesichts des Klimawandels unsere Art zu wirtschaften ändern?“ Ökonomische Bildung helfe Schülern „solche wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen“ und „selbstbestimmt gute Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen“. Daten seien „der neue Treibstoff der Wirtschaft“. Auch Schüler müssten „begreifen, dass Daten nicht nur privat, sondern auch Wirtschaftsgüter und wertvoll sind“. Wie wir damit am besten umgehen, sei „inzwischen wichtiger Teil von ökonomischer Bildung“.
Die „erste Runde im Wettbewerb um Verbraucherdaten“ sei „an die großen amerikanischen Konzerne gegangen“. Aber der „Wettbewerb um Industriedaten“ sei „noch offen“: Deutschland mit seiner „starken Industrie“ habe „einen riesigen Schatz an Industriedaten“. Es gelte, die „großen Potenziale Künstlicher Intelligenz in der industriellen Produktion, in der Logistik, im Gesundheitswesen, im Automobilsektor und generell in einer nachhaltigen Mobilität in den Städten und auf dem flachen Land“ zu nutzen. Dabei grenzte sich Karliczek klar sowohl von China als auch von den USA ab: „Grenzenlose Kontrolle durch den Staat werden wir niemals akzeptieren. Datenmacht in der Hand einiger weniger großer Konzerne wollen wir nicht.“  Künstliche Intelligenz dürfe nicht „Persönlichkeitsrechte und den Schutz von Daten völlig über den Haufen werfen“. Deshalb brauchten wir „europäische Standards für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz“ und „für den Schutz und den Austausch von Daten. Mit der Datenschutzgrundverordnung habe „die EU gezeigt, dass sie in diesem Bereich nicht nur mit einer Stimme sprechen, sondern tatsächlich Standards setzen“ könne, die „weltweit Beachtung“ fänden“ und „im Endeffekt sogar einen Wettbewerbsvorteil“ brächten.
Den vollständigen Wortlaut der Rede finden Sie unter: https://www.bmbf.de/de/chancen-der-digitalisierung-nutzen-8069.html
Zum Bericht der „Westfälischen Nachrichten“ vom 8.3.2019 gelangen Sie hier: https://www.wn.de/Muenster/3695271-Oekoenomische-Bildung-an-Schulen-Karl...

VÖBAS kritisiert Studie - Nicht zu viel, sondern zu wenig ökonomische Bildung in NRW

Donnerstag, Januar 17, 2019

In einer Stellungnahme vom 12.1.2019 weist der Vorstand des VÖBAS e.V. die von Professor Dr. Reinhold Hedtke (Universität Bielefeld) verbreitete Behauptung zurück, dass im Unterricht der Fächer Politik und Politik-Wirtschaft an nordrheinwestfälischen Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien der Anteil von wirtschaftlichen Themen deutlich höher sei als der von politischen Themen. Seine mit „scheingenauer Akribie“ erstellten Berechnungen stellten die „tatsächlichen Verhältnisse in den Schulen teilweise regelrecht auf den Kopf“. Erstens sei eine eindeutige Zuordnung einzelner Lehrplanthemen zu den vermeintlich trennscharfen Kategorien Politik, Ökonomie und Gesellschaft nicht immer möglich. Zweitens sei es „nicht nur fachlich unzulässig, sondern auch unredlich, sämtliche Maßnahmen der beruflichen Orientierung (wie Schülerbetriebspraktika, Berufsfelderkundungen, Besuche in den Berufsinformationszentren, Potenzialanalysen etc.) einseitig der ökonomischen Bildung zuzurechnen“; diese stellten ausweislich der Erlasslage vielmehr eine „gesamtschulische Aufgabe“ dar. Drittens säßen Hedtke und seine Mitstreiter einer „fatalen Verwechslung von Norm und Realität auf“. Kernlehrpläne beschrieben „Ansprüche an das schulische Lehren und Lernen, nicht aber die Wirklichkeit an und in den Schulen“, die gerade durch die häufige Abwesenheit von fachlich fundiertem Wirtschaftsunterricht gekennzeichnet sei. Erschwerend komme hinzu, „dass auch ein sozialwissenschaftliches Lehramtsstudium an einer nordrheinwestfälischen Hochschule die angehenden Lehrkräfte nicht notwendig optimal für einen fachlich fundierten Wirtschaftsunterricht vorbereite“. Demgegenüber begrüßt VÖBAS die Initiative des Schulministeriums zur Einführung des Faches Wirtschaft „als den längst überfälligen Versuch, endlich die Kluft zwischen dem in Rahmenvorgaben und Lehrplänen formulierten Anspruch und der in den Schulen realisierten prekären Praxis ökonomischer Bildung im Lande NRW zu schließen“.
Die vollständige Stellungnahme finden Sie auf dieser Seite unter „Positionen“.

Tage der ökonomischen Bildung 2019 in Münster und Oldenburg

Samstag, Dezember 1, 2018

Wir leben in Zeiten eines beschleunigten Strukturwandels, der nicht nur unsere Art zu arbeiten und zu leben, sondern auch die globalen Macht- und Kräfteverhältnisse tiefgreifend verändert. Neue Technologien und neue Geschäftsmodelle setzen sich durch, alte Industriezweige und traditionsreiche Unternehmen verschwinden, neue Unternehmen, Branchen und Wirtschaftsmächte steigen auf. „Megatrends“ wie Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, demografischer Wandel und Migration treiben den Wandel voran – lokal, regional, national, global. Zu Recht ist daher das Thema Strukturwandel in den Wirtschaftscurricula aller Schulformen sowie in den Vorgaben für die berufliche Orientierung verankert. Mit leicht unterschiedlichen Akzentuierungen werden wir den Themenkreis Digitalisierung und Strukturwandel an beiden Tagen der ökonomischen Bildung aufgreifen.
Digitalisierung. Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Schule – 6. Tag der ökonomischen Bildung NRW am 7.3.2019 in Münster
Den Auftakt zur Tagung macht Dr. Alexander Del Toro Barba, ein ausgewiesener Experte für Machine Learning, mit seinem Vortrag zum Thema „Wettbewerbsökonomie und Big Data“. In der anschließenden Podiumsdiskussion werden der Referent, ein Unternehmensgründer sowie Vertreter der Arbeitsagentur, der Verbraucherzentrale und des Instituts der deutschen Wirtschaft einige Herausforderungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Politik und Schule näher beleuchten. Die nachmittäglichen Workshops dienen teils der fachlichen Vertiefung und der unterrichtspraktischen Konkretisierung, teils der Erörterung der Konsequenzen, die sich aus der bildungspolitischen Grundsatzentscheidung der Landesregierung für ein Schulfach Wirtschaft ergeben.
Mehr dazu finden Sie hier.
Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen - 12. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen am 15.3.2019 in Oldenburg
Den einführenden Fachvortrag zum Thema „Die wahre Revolution. Strukturwandel in historischer Perspektive“ wird der renommierte Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld halten. Daran schließt sich eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Hochschule, Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer und Gewerkschaft IG Metall an, die das Thema „Strukturwandel im digitalen Zeitalter. Herausforderungen für Wirtschaft, Politik und Schule“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Am Nachmittag wird die Tagungsthematik in fünf praxis- und unterrichtsbezogenen Workshops konkretisiert und vertieft: das Thema im Unterricht der Sekundarstufe I, Strukturwandel im Fokus des Betriebspraktikums in Jahrgang 11, Strukturwandel in der Automobilbranche, Strukturwandel im Finanzsektor, berufliche Orientierung.
Mehr dazu finden Sie hier.

NRW: Das Fach Wirtschaft kommt

Donnerstag, November 29, 2018

Fach Wirtschaft in NRW: Und es bewegt sich doch …
Zu den Planungen des nordrheinwestfälischen Ministeriums für Schule und Bildung für das Fach Wirtschaft
Von der 2017 im Koalitionsvertrag von CDU und FDP bekundeten Absicht, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren“, bis zu den konkreten Umsetzungsplänen hat es länger gedauert als von uns erhofft. Seit der Pressekonferenz der Schulministerin am  26.11.2018 aber steht fest: Das Fach Wirtschaft soll an allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulen des Landes NRW als Pflichtfach eingeführt werden, was nicht zu Lasten anderer Fächer - insbesondere Geschichte und Politik – erfolgt. Die Schulen erhalten mehr Freiräume bei der unterrichtsorganisatorischen Umsetzung der Lehrpläne und Stundentafeln.
Wirtschaft wird zum Schuljahr 2020/21 als Kernfach an allen Realschulen in NRW eingeführt. Wir sehen darin eine späte Bestätigung des erfolgreichen Schulversuchs „Wirtschaft an Realschulen“, der von der Vorgängerregierung gegen den auch von uns unterstützten Protest der Beteiligten und Betroffenen nicht weitergeführt worden war. Die verbindliche Einführung eines aktualitätsbezogenen, lebensnahen und handlungsorientierten Faches Wirtschaft entspricht nicht nur einer seit langem von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Bildungsexperten erhobenen Forderung, sondern bietet auch eine große Chance zur Schärfung des Profils der Realschulen im Sinne einer zeitgemäß erweiterten Allgemeinbildung. Die erforderlichen zusätzlichen Stunden werden aus dem Kontingent der Ergänzungsstunden genommen.
Die Realschulen erhalten zusätzliche Gestaltungsoptionen durch ein Wahlpflichtfach Wirtschaft - angelehnt an den existierenden, aber noch nicht in Kraft getretenen Kernlehrplan Politik/ökonomische Grundbildung -  sowie auch durch die mögliche Kombination der Fächer Wirtschaft und Politik im Pflichtbereich.
Das Fach Wirtschaft wird auch an den Hauptschulen gestärkt. Zwar bleibt es im Rahmen des neuen Lernbereichs Wirtschaft und Arbeitswelt bei dem Verbund der Fächer Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft, doch erhält das Fach Wirtschaft zusätzliche Stunden aus dem Kontingent der Ergänzungsstunden. Konsequenter wäre es gewesen, diesen Verbund aufzulösen zugunsten zweier selbstständiger Fächer Wirtschaft und Technik. Das Fach Technik gehört dem Bereich der MINT-Fächer an, das Fach Wirtschaft der gesellschaftswissenschaftlichen Fächergruppe. Immerhin sehen die Pläne des Bildungsministeriums einen neuen Wahlpflichtbereich Wirtschaft und Arbeitswelt vor.
An den Gesamtschulen und Sekundarschulen wird das neue Fach Wirtschaft-Politik eingeführt, das zusammen mit den Fächern Erdkunde und Geschichte dem mit erhöhter Stundenzahl ausgestatteten Lernbereich Gesellschaftslehre zugeordnet ist. Gleichzeitig wurde der antiquierte Lernbereich Arbeitslehre aufgelöst; Technik und Hauswirtschaft werden selbstständige Fächer. Wie an der Hauptschule wird auch an den beiden integrierten Schulformen der Lernbereich Wirtschaft und Arbeitswelt im Wahlpflichtbereich angeboten.
Im Zuge der Umstellung der Gymnasien auf G 9 wird das Fach Wirtschaft-Politik etabliert. Laut Entwurf der neuen Stundentafel müssen die Fächer Erdkunde, Geschichte und Wirtschaft-Politik in der gesamten Sekundarstufe I mit mindestens sieben Wochenstunden unterrichtet werden; „die beiden darüber hinausgehenden Stunden sollen vorrangig der Stärkung der ökonomischen Bildung dienen“.
Auch wenn wir nach wie vor die Position vertreten, dass das Anliegen der ökonomischen Bildung am wirkungsvollsten in einem eigenständigen Fach Wirtschaft realisiert werden kann, sehen wir in dem neugestalteten und mit höheren Stundenkontingenten ausgestatteten Fach Wirtschaft-Politik beträchtliche Chancen für eine Intensivierung der ökonomischen und der politischen Bildung, indem ökonomische und politische Themen und Erkenntnisweisen gleichgewichtig und aufeinander bezogen zum Zuge kommen. Wir begrüßen daher die Umbenennung des Faches in „Wirtschaft-Politik“.
Alle Fachkonstruktionen und Fachcurricula werden allerdings nur dann zu unterrichtlicher Wirklichkeit, wenn sie von fachwissenschaftlich und fachdidaktisch qualifizierten Lehrkräften in konkrete Unterrichtspraxis umgesetzt werden. Von der Einlösung dieses Desiderats sind wir noch weit entfernt: Für die ökonomischen Anteile des gymnasialen Faches Wirtschaft-Politik bzw. Sozialwissenschaften gibt es an den meisten nordrheinwestfälischen Hochschulen nur eine rudimentäre Ausbildung; für das Fach Wirtschaft im bisherigen Lernbereich Arbeitslehre an den Haupt- und Gesamtschulen existieren schon seit Jahren keine einschlägigen Studiengänge mehr, und für das neue Fach Wirtschaft an den Realschulen gab es mangels Fach bisher keine Lehrerausbildung. Wir halten es nunmehr für erforderlich,

  • schnellstmöglich eine flächendeckende und regional verankerte Infrastruktur (etwa in der Form des „blended e-learning“) für die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Lehrerfortbildung im Bereich der ökonomischen Bildung aufzubauen,
  • schnellstmöglich Studiengänge für das Fach Wirtschaft an möglichst allen Standorten der universitären Lehrerbildung in NRW einzurichten und die Hochschulen mit den dazu erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen auszustatten,
  • die Expertise engagierter Lehrkräfte (z.B. aus dem Modellversuch Wirtschaft an Realschulen, aus dem Projekt „Praxiskontakte im Wirtschaftsunterricht“ PRAWIS, aus dem Leitprojekt Verbraucherbildung) sowie von Vertretern beider Phasen der Lehrerausbildung für die Entwicklung von Lehrplänen und Fortbildungskonzeptionen zu nutzen,
  • auf wertvolle curriculare Vorarbeiten aus dem Modellversuch Wirtschaft an Realschulen zurückzugreifen und das Anregungspotenzial einschlägiger Curricula und Erfahrungen anderer Bundesländer zu nutzen.

VÖBAS-Mitglieder haben in den Schulen und in der Lehrerfortbildung an dem Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“, am Projekt PRAWIS und am Leitprojekt Verbraucherbildung mitgewirkt. Wir erneuern unsere Bereitschaft, die dabei gewonnenen Einsichten und Erfahrungen in die Konzipierung und Implementierung des Faches Wirtschaft einzubringen.
gez. Dieter Peters, Münster (für VÖBAS NRW)
gez. Dr. Karl-Josef Burkard (für den geschäftsführenden Vorstand des VÖBAS e.V.)
Zum einfacheren Ausdrucken finden Sie eine PDF-Version dieser Erklärung in der Rubrik "Positionen" auf dieser Homepage.

Tage der Geldpolitik 2018 - Bundesbank in Kooperation mit VÖBAS

Montag, April 9, 2018

Lehrerfortbildungen der Deutschen Bundesbank Hannover in Kooperation mit dem VÖBAS e.V. in Hannover, Hildesheim und Osnabrück
 
HANNOVER Dienstag, 17. April 2018, in der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Georgsplatz 5, 30159 Hannover
HILDESHEIM Donnerstag, 23.08.2018, im Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung (KHi) der Stiftung Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1, Gebäude N (Forum),  31141 Hildesheim
OSNABRÜCK Donnerstag, 6. September 2018, in der Filiale Osnabrück der Deutschen Bundesbank, Schlagvorder Straße 27, 49074 Osnabrück (steht auch für Interessenten aus dem Raum Münster offen)
 
Die Veranstaltung bietet an einem Tag drei unterschiedliche Module zur Geldpolitik sowohl für Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden als auch an berufsbildenden Schulen.
10:30 - 13:00 Modul I: "Grundlagen der Geldpolitik"
Referentin Julia von Borstel, Deutsche Bundesbank.
In diesem einführenden Modul  werden die grundlegenden Begriffe wie Inflation und Geldschöpfung erklärt und die Frage behandelt, wie Geldpolitik in 'normalen' Zeiten wirkt, also wie die Zinspolitik der Zentralbank (vor der globalen Finanzkrise) genutzt wurde, um die Inflation zu steuern. Ebenfalls behandelt wird der Aufbau und die Strategie des Eurosystems. Dieses Modul richtet sich vor allem an Kolleginnen und Kollegen, die das Thema Geldpolitik lange nicht oder noch nie unterrichtet haben und einen Einstieg in die Thematik wünschen.
14:00 - 15:30 Modul II: "Didaktisch-Methodische Anregungen und Materialien für die praktische Umsetzung des Themas Geld und Geldpolitik im Unterricht"
Referent Dr. Karl-Josef Burkard, StD a.D., Lehrbeauftragter an der Universität Oldenburg, Herausgeber der Zeitschrift "Unterricht Wirtschaft + Politik", VÖBAS-Vorsitzender.
Dr. Burkard wird  an ausgewählten Unterrichtsbeispielen zeigen, wie Schülerinnen und Schüler ausgehend von konkreten Alltagserfahrungen ein Grundverständnis für aktuelle Fragen der Geldpolitik entwickeln können.
15:45 - 17:30 Modul III: "Aktuelle Fragen der Geldpolitik: Wie kann der Exit aus der Geldflut gelingen?"
Referentin Julia von Borstel, Deutsche Bundesbank.
In diesem abschließenden Modul wird es darum gehen, die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise kennenzulernen, ihre Wirkungsweise zu verstehen und die Frage zu erörtern, wie in Zukunft ein Ausstieg aus der 'Geldflut' gelingen kann.
Anmeldungen sind ab sofort unter folgender Emailadresse möglich: veranstaltungen.hv-bns@bundesbank.de oder julia.von.borstel@bundesbank.de
Bitte geben Sie an, ob Sie an Modul I -III oder an Modul II-III teilnehmen wollen.
Siehe auch: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Termine/Lehrerfortbildung/BNS/201...

Wirtschaft für alle – 5. Tag der ökonomischen Bildung in Münster

Sonntag, April 8, 2018

Rund 110 Personen waren am 14.3.2018 zum 5. Tag der ökonomischen Bildung nach Münster gekommen: Lehrkräfte aller Schulformen, Hochschullehrende und Lehramtsstudierende, die wissen und diskutieren wollten, wie es mit der ökonomischen Bildung im Lande Nordrhein-Westfalen weitergehen soll. Die vom Verband Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen in Kooperation mit dem IÖB Münster und mit Unterstützung des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Münster geförderte Tagung stand ganz im Zeichen der Absicht der nordrheinwestfälischen Landesregierung, flächendeckend ein Fach Wirtschaft einzuführen. „Wirtschaft für alle“ hatten die Veranstalter deshalb als Motto ausgegeben.
Den fachdidaktischen Teufelskreis durchbrechen
Den Auftakt machte der Oldenburger Wirtschaftsdidaktiker Prof. Dr. Dirk Loerwald mit einem Überblick über die Institutionalisierung der ökonomischen Bildung in Deutschland, die im Flickenteppich des deutschen Bildungsföderalismus in eine Unzahl von Fachkonstruktionen und Fachbezeichnungen zersplittert sei: eigenständiges Fach Wirtschaft wie an den niedersächsischen Haupt-, Real- und Oberschulen, Kombinationsfach Wirtschaft und Recht wie in Bayern und Thüringen, Bestandteil von Fächerverbünden wie Arbeit-Wirtschaft-Technik oder von Integrationsfächern wie Sozialwissenschaften oder Politik-Wirtschaft in NRW oder Themenfeld des Faches Politik wie an den rheinlandpfälzischen Gymnasien. Diese Zersplitterung habe gravierende Folgen für die Lehrerbildung, die fachdidaktische Forschung, die curriculare Entwicklung, die Schulbuchproduktion. Nur mit einem obligatorischen Schulfach Wirtschaft könne der fachdidaktische „Teufelskreis“ (kein Fach – keine Studien- und Ausbildungsgänge – keine Fachlehrer – kein Fachunterricht) durchbrochen werden.
Aus dem Modellversuch lernen
In der anschließenden Podiumsdiskussion bilanzierten Andrea Rudel (Erich-Klausener-Realschule Münster), Gregor Wegmann (Fürstin-von-Gallitzin-Schule Münster) und Prof. Dr. Werner A. Halver (Hochschule Ruhr West) ihre Erfahrungen mit dem von der Vorgängerregierung eingestellten Modellversuch Wirtschaft an Realschulen. Die Motivation der Schülerinnen und Schüler sei aufgrund der aktuellen, lebensnahen und handlungsorientiert aufbereiteten Themen ungewöhnlich hoch gewesen. Und dank der festen Verankerung im Fächerkanon sei es leichter möglich gewesen, längerfristig angelegte Projekte durchzuführen, die unter den üblichen schulischen Bedingungen kaum realisierbar seien, z.B. Erkundungen von Supermärkten und Produktionsbetrieben, Planspiele, Umfragen und Expertenbefragungen. Zur Organisation der Praxiskontakte seien zahlreiche Kooperationen mit Betrieben vor Ort eingegangen worden, ohne dass es jemals zu den befürchteten einseitigen Einflussnahmen auf schulische Bildungsprozesse gekommen sei. Den besten Schutz vor einem lobbyistischen Zugriff auf Schule böten ohnehin fachlich qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer und in der Sache mündige Schülerinnen und Schüler. Der Modellversuch habe eindeutig bewiesen, dass ein Schulfach Wirtschaft für Eltern, Schüler und Lehrer attraktiv und bei entsprechenden Aus- und Fortbildungsprogrammen, angemessenen curricularen Vorgaben und geeigneten Unterstützungssystemen mittelfristig umsetzbar sei.
Anregungen für den Unterricht
Auf großes Interesse stießen die Workshops, die ein breites thematisches und methodisches Spektrum eröffneten und vielfältige Anregungen für die Unterrichtspraxis boten. Philipp Hoff von der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe demonstrierte am Beispiel des Themas Steuern den Stellenwert und konkrete Ansatzpunkte finanzieller Allgemeinbildung im Wirtschaftsunterricht der Sekundarstufe I. Prof. Dr. Dirk Loerwald vom IÖB an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lotete anhand praktischer Übungen mit den Teilnehmenden die didaktischen Potenziale von Experimenten zur Erschließung und Reflexion ethischer Herausforderungen wirtschaftlichen Handelns aus. Prof. Dr. Thomas Retzmann von der Universität Duisburg-Essen sowie Dr. Michael Schuhen und Dipl.-Gymnasiallehrer Manuel Froitzheim vom ZöBiS an der Universität Siegen zeigten an den Themen Verbraucherbildung und Marktwirtschaft exemplarisch die Chancen eines interaktiven Wirtschaftsunterrichts mit dem elektronischen Schulbuch auf. Jan-Martin Geiger und Maximilian Schimanski vom Lehrstuhl Entrepreneurship und Ökonomische Bildung an der TU Dortmund führten am Beispiel des Börsenplanspiels „CCC Shareholder“ in die wirtschaftsdidaktische Großform Planspiele ein. Sabine Gans, Lehrerin an der Kurfürst-Balduin-Realschule plus Wittlich und teilabgeordnete Lehrerin an der Universität Trier, berichtete im Workshop „Schülerfirmenprojekte als Möglichkeit ganzheitlicher Kompetenzentwicklung“, wie das Fach Wirtschaft in den Klassenstufen 8 / 9 durch den Projektverlauf eines Schülerfirmenjahres strukturiert werden kann.
Es kam der Staatssekretär
Für die wegen eines kurzfristig anberaumten KMK-Termins verhinderte  Ministerin Yvonne Gebauer sprang ihr Staatssekretär Mathias Richter ein. CDU und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag vom 16.6.2017 ihren Willen bekundet, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren, in dem unter anderem Kenntnisse unserer Wirtschaftsordnung ebenso wie Aspekte der Verbraucherbildung vermittelt werden sollen“.Mathias Richter sprach zunächst über bildungspolitische Herausforderungen im Lande Nordrhein-Westfalen: die Rückkehr von G8 nach G9, die Lösung der Probleme bei der Umsetzung der Inklusion, die Knappheit der personellen und finanziellen Ressourcen. Der Zeit- und Handlungsdruck sei enorm. Und dennoch verliere das Ministerium das Ziel einer breiten ökonomischen Bildung nicht aus den Augen, die zur Urteils- und Handlungsfähigkeit in Fragen der Berufsorientierung, Verbraucherbildung, Wirtschaftsordnung, Wirtschaftspolitik und Weltwirtschaft beitrage. Im Rahmen der vorrangigen Aktualisierung der Kernlehrpläne für das künftige neunjährige Gymnasium komme es zunächst einmal darauf an, den ökonomischen Lernbereich im Rahmen der bestehenden Fächer Politik-Wirtschaft in der Sekundarstufe I und Sozialwissenschaften in der Oberstufe „auszuschärfen“ und auch quantitativ im Rahmen der neuen Stundentafel (188 Stunden in der Sekundarstufe I) zu stärken. Gleichzeitig aber müsse man angesichts grassierender populistischer Tendenzen auch den berechtigten Anliegen der politischen Bildung Rechnung tragen. Bei der Überarbeitung der Lehrpläne werde geachtet auf Fachlichkeit, konkrete Inhalte, fachliche Sachkompetenz, fachspezifische Methodenkompetenz und Beurteilungsfähigkeit. Ziel sei der mündige Bürger. Ein Ja zum Schulfach Wirtschaft hieße aber auch vorher zu „überprüfen, was in anderen Fächern schon an Inhalten vorhanden sei“. Fort- und Ausbildung der Lehrkräfte erforderten die notwendigen Ressourcen. Man befasse sich sehr konkret und „so schnell wie möglich“ mit der Implementierung der ökonomischen Bildung; dabei peile man das Jahr 2020 an.
Lebhafte Diskussion
Den zahlreichen Beteiligten an der anschließenden Diskussion gingen die Ausführungen des Staatssekretärs nicht weit genug. Unverzüglich müsse mit der Änderung der Stundentafeln, mit der Entwicklung neuer Curricula, mit flächendeckenden Fortbildungsveranstaltungen und mit dem Aufbau entsprechender Studiengänge begonnen werden. Man habe Verständnis dafür, dass die Etablierung eines neuen Faches Zeit brauche und dass Übergangslösungen nötig sein könnten. Das Ziel aber müsse klar sein: ein Fach Wirtschaft für alle. Dazu müssten die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen wie an den Universitäten eingebunden werden. Man sei bereit, in Kommissionen und Arbeitskreisen an der Entwicklung von Curricula, Fortbildungskonzepten, Unterrichtseinheiten und Materialien mitzuwirken. Die Zeit der Reden über die Bedeutsamkeit „ökonomischer Bildung“ sei vorbei; jetzt sei die Zeit zu handeln.
Eine kleine Tagungsdokumentation, die nach Möglichkeit noch weiter ergänzt werden wird, finden Sie hier.

Europa und aktuelle Bildungspolitik - 11. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg

Samstag, März 17, 2018

Europa im Fokus
Den inhaltlichen Schwerpunkt des 11. Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung am 9. März 2018 bildete die "Europäische Union zwischen Krise und Aufbruch". In ihrem fulminanten Eröffnungsvortrag zum Thema „Der Brexit und die Zukunft der EU“ skizzierte Dr. Barbara Lippert, Forschungsdirektorin der renommierten „Denkfabrik“ Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) zunächst die nur schwer vereinbaren Positionen in den aktuellen Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union über den Austritt aus der EU und die zukünftigen britisch-europäischen Beziehungen. Im zweiten Teil ihres Vortrags warf sie einen skeptischen Blick auf die Bemühungen, den Zusammenhalt zwischen den politisch, ökonomisch und kulturell auseinanderdriftenden  verbliebenen 27 EU-Mitgliedsstaaten zu bewahren. Im Forum 3 „Europabildung in schwierigen Zeiten“ entwickelte der Gründer und wissenschaftliche Leiter des Oldenburger Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) Prof. Dr. Hans Kaminski die Umrisse eines europapolitischen Gesamtcurriculums, welches die europäische Dimension in allen Phasen des ökonomischen und politischen Unterrichts mitdenkt und mitbehandelt. Vier nachmittägliche Workshops griffen diese Impulse auf. Auf außerordentliche Resonanz stieß der von Arne Stemmann (Universität Oldenburg) und Dr. Michael Koch (IÖB Oldenburg) geleitete Workshop „Was wären wir ohne die EU? Wie Europa unseren Alltag bestimmt - Anregungen für den Unterricht in der Sekundarstufe I“. Aber auch die übrigen Workshops erfreuten sich hoher Besucherzahlen. Im Workshop „Der Brexit im Unterricht“ gab Dr. Karl-Josef Burkard (Universität Oldenburg) didaktisch-methodische Anregungen zur politisch-ökonomischen Einordnung der Brexit-Entscheidungen und –Verhandlungen sowie zur Auseinandersetzung mit den von der EU-Kommission in ihrem Weißbuch vom 1.3.2017 vorgestellten fünf Szenarien zur Zukunft der EU. Dirk Gerlach von der Hauptverwaltung Hannover der Deutschen Bundesbank zeigte in seinem Workshop zum Thema „Einheitliche Geldpolitik für einen heterogenen Wirtschaftsraum“ die nach wie vor nicht wirklich gelösten Probleme und die unklaren Perspektiven der Eurozone auf. Und schließlich weiteten Ludger Hillmann (Altes Gymnasium Oldenburg) und Hartmut Riggers (Bremen) die innereuropäischen Debatten in eine globale Dimension, indem sie am chinesischen Großprojekt „Neue Seidenstraße“ exemplarisch die Herausforderungen beleuchteten, die der Aufstieg Chinas zur Weltmacht für die Europäische Union mit sich bringt.
Bildungspolitik aktuell
Den bildungspolitischen Anspruch des Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung dokumentierte nicht nur das gemeinsame Grußwort von Gesa Johannes und Michael Math aus dem Referat 33 des Niedersächsischen Kultusministerium, in dem diese sowohl auf die neuen Vorgaben für die Berufs- und Studienorientierung im Lande Niedersachsen als auch auf das unmittelbar vor der Veröffentlichung stehende neue Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe eingingen. Diese aktuellen Themen wurden auch in zwei Foren aufgegriffen und intensiv diskutiert. Im Forum 2 „Neue Vorgaben zur Berufs- und Studienorientierung in Niedersachsen“ erörterten Karin Benecke, Fachmoderatorin für Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT) und Berufsorientierung, und Prof. Dr. Rudolf Schröder, Inhaber der bundesweit einzigen Professur für Ökonomische Bildung mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung an der Universität Oldenburg, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern praktische Probleme und Realisierungsansätze für die berufliche Orientierung an den verschiedenen Schulformen. Im Forum 1 zum „neuen Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen“ stellte Dr. Karl-Josef Burkard (in Vertretung der erkrankten Stefan Schneider und Dirk Loerwald) zunächst in einer vergleichenden Perspektive Kontinuitäten und Wandlungen der curricularen Entwicklung im Fach Politik-Wirtschaft heraus, um anschließend eine lebhafte Diskussion zu moderieren, in der mit Blick auf die schon jetzt für das Schuljahr 2018/19 zu treffenden Entscheidungen und Vorbereitungen insbesondere Fragen der Verknüpfung von bewertetem Fachunterricht und nicht bewertetem Unterricht zur Berufs- und Studienorientierung aufgeworfen wurden. (Siehe auch die „Problemanzeige“ in der Tagungsdokumentation)
Ausblick:
Der 12. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen findet am Freitag, dem 15. März 2019, in der Universität Oldenburg zum Thema "Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen" statt.
Eine umfangreiche Tagungsdokumentation, die nach Möglichkeit noch weiter ergänzt werden wird, finden Sie hier.

Fast 300 Teilnehmende bei den Tagen der ökonomischen Bildung in Münster und Oldenburg

Samstag, März 17, 2018

Die Tage der ökonomischen Bildung haben sich zu einem Markenzeichen des VÖBAS e.V. entwickelt. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen schätzen offensichtlich die Kombination von Fachinformation, bildungspolitischem Austausch, didaktisch-methodischer Vertiefung und kollegialem Austausch. So kamen trotz der grassierenden Grippewelle am 9. März 2018 über 180 Lehrerinnen und Lehrer aus Niedersachsen und Bremen zum 11. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg und nur fünf Tage später, am 14. März 2018, rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus NRW zum 5. Tag der ökonomischen Bildung in Münster. Siehe die Tagungsdokumentationen in den entsprechenden Rubriken dieser Website.