Aktuelles

In dieser Rubrik finden Sie in chronologischer Reihenfolge Erklärungen, Beschlüsse, Mitteilungen von VÖBAS e.V. zu Fragen der ökonomischen Bildung

Tage der ökonomischen Bildung 2019 in Münster und Oldenburg

Samstag, Dezember 1, 2018

Wir leben in Zeiten eines beschleunigten Strukturwandels, der nicht nur unsere Art zu arbeiten und zu leben, sondern auch die globalen Macht- und Kräfteverhältnisse tiefgreifend verändert. Neue Technologien und neue Geschäftsmodelle setzen sich durch, alte Industriezweige und traditionsreiche Unternehmen verschwinden, neue Unternehmen, Branchen und Wirtschaftsmächte steigen auf. „Megatrends“ wie Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, demografischer Wandel und Migration treiben den Wandel voran – lokal, regional, national, global. Zu Recht ist daher das Thema Strukturwandel in den Wirtschaftscurricula aller Schulformen sowie in den Vorgaben für die berufliche Orientierung verankert. Mit leicht unterschiedlichen Akzentuierungen werden wir den Themenkreis Digitalisierung und Strukturwandel an beiden Tagen der ökonomischen Bildung aufgreifen.
Digitalisierung. Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Schule – 6. Tag der ökonomischen Bildung NRW am 7.3.2019 in Münster
Den Auftakt zur Tagung macht Dr. Alexander Del Toro Barba, ein ausgewiesener Experte für Machine Learning, mit seinem Vortrag zum Thema „Wettbewerbsökonomie und Big Data“. In der anschließenden Podiumsdiskussion werden der Referent, ein Unternehmensgründer sowie Vertreter der Arbeitsagentur, der Verbraucherzentrale und des Instituts der deutschen Wirtschaft einige Herausforderungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Politik und Schule näher beleuchten. Die nachmittäglichen Workshops dienen teils der fachlichen Vertiefung und der unterrichtspraktischen Konkretisierung, teils der Erörterung der Konsequenzen, die sich aus der bildungspolitischen Grundsatzentscheidung der Landesregierung für ein Schulfach Wirtschaft ergeben.
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Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen - 12. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen am 15.3.2019 in Oldenburg
Den einführenden Fachvortrag zum Thema „Die wahre Revolution. Strukturwandel in historischer Perspektive“ wird der renommierte Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld halten. Daran schließt sich eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Hochschule, Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer und Gewerkschaft IG Metall an, die das Thema „Strukturwandel im digitalen Zeitalter. Herausforderungen für Wirtschaft, Politik und Schule“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Am Nachmittag wird die Tagungsthematik in fünf praxis- und unterrichtsbezogenen Workshops konkretisiert und vertieft: das Thema im Unterricht der Sekundarstufe I, Strukturwandel im Fokus des Betriebspraktikums in Jahrgang 11, Strukturwandel in der Automobilbranche, Strukturwandel im Finanzsektor, berufliche Orientierung.
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NRW: Das Fach Wirtschaft kommt

Donnerstag, November 29, 2018

Fach Wirtschaft in NRW: Und es bewegt sich doch …
Zu den Planungen des nordrheinwestfälischen Ministeriums für Schule und Bildung für das Fach Wirtschaft
Von der 2017 im Koalitionsvertrag von CDU und FDP bekundeten Absicht, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren“, bis zu den konkreten Umsetzungsplänen hat es länger gedauert als von uns erhofft. Seit der Pressekonferenz der Schulministerin am  26.11.2018 aber steht fest: Das Fach Wirtschaft soll an allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulen des Landes NRW als Pflichtfach eingeführt werden, was nicht zu Lasten anderer Fächer - insbesondere Geschichte und Politik – erfolgt. Die Schulen erhalten mehr Freiräume bei der unterrichtsorganisatorischen Umsetzung der Lehrpläne und Stundentafeln.
Wirtschaft wird zum Schuljahr 2020/21 als Kernfach an allen Realschulen in NRW eingeführt. Wir sehen darin eine späte Bestätigung des erfolgreichen Schulversuchs „Wirtschaft an Realschulen“, der von der Vorgängerregierung gegen den auch von uns unterstützten Protest der Beteiligten und Betroffenen nicht weitergeführt worden war. Die verbindliche Einführung eines aktualitätsbezogenen, lebensnahen und handlungsorientierten Faches Wirtschaft entspricht nicht nur einer seit langem von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Bildungsexperten erhobenen Forderung, sondern bietet auch eine große Chance zur Schärfung des Profils der Realschulen im Sinne einer zeitgemäß erweiterten Allgemeinbildung. Die erforderlichen zusätzlichen Stunden werden aus dem Kontingent der Ergänzungsstunden genommen.
Die Realschulen erhalten zusätzliche Gestaltungsoptionen durch ein Wahlpflichtfach Wirtschaft - angelehnt an den existierenden, aber noch nicht in Kraft getretenen Kernlehrplan Politik/ökonomische Grundbildung -  sowie auch durch die mögliche Kombination der Fächer Wirtschaft und Politik im Pflichtbereich.
Das Fach Wirtschaft wird auch an den Hauptschulen gestärkt. Zwar bleibt es im Rahmen des neuen Lernbereichs Wirtschaft und Arbeitswelt bei dem Verbund der Fächer Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaft, doch erhält das Fach Wirtschaft zusätzliche Stunden aus dem Kontingent der Ergänzungsstunden. Konsequenter wäre es gewesen, diesen Verbund aufzulösen zugunsten zweier selbstständiger Fächer Wirtschaft und Technik. Das Fach Technik gehört dem Bereich der MINT-Fächer an, das Fach Wirtschaft der gesellschaftswissenschaftlichen Fächergruppe. Immerhin sehen die Pläne des Bildungsministeriums einen neuen Wahlpflichtbereich Wirtschaft und Arbeitswelt vor.
An den Gesamtschulen und Sekundarschulen wird das neue Fach Wirtschaft-Politik eingeführt, das zusammen mit den Fächern Erdkunde und Geschichte dem mit erhöhter Stundenzahl ausgestatteten Lernbereich Gesellschaftslehre zugeordnet ist. Gleichzeitig wurde der antiquierte Lernbereich Arbeitslehre aufgelöst; Technik und Hauswirtschaft werden selbstständige Fächer. Wie an der Hauptschule wird auch an den beiden integrierten Schulformen der Lernbereich Wirtschaft und Arbeitswelt im Wahlpflichtbereich angeboten.
Im Zuge der Umstellung der Gymnasien auf G 9 wird das Fach Wirtschaft-Politik etabliert. Laut Entwurf der neuen Stundentafel müssen die Fächer Erdkunde, Geschichte und Wirtschaft-Politik in der gesamten Sekundarstufe I mit mindestens sieben Wochenstunden unterrichtet werden; „die beiden darüber hinausgehenden Stunden sollen vorrangig der Stärkung der ökonomischen Bildung dienen“.
Auch wenn wir nach wie vor die Position vertreten, dass das Anliegen der ökonomischen Bildung am wirkungsvollsten in einem eigenständigen Fach Wirtschaft realisiert werden kann, sehen wir in dem neugestalteten und mit höheren Stundenkontingenten ausgestatteten Fach Wirtschaft-Politik beträchtliche Chancen für eine Intensivierung der ökonomischen und der politischen Bildung, indem ökonomische und politische Themen und Erkenntnisweisen gleichgewichtig und aufeinander bezogen zum Zuge kommen. Wir begrüßen daher die Umbenennung des Faches in „Wirtschaft-Politik“.
Alle Fachkonstruktionen und Fachcurricula werden allerdings nur dann zu unterrichtlicher Wirklichkeit, wenn sie von fachwissenschaftlich und fachdidaktisch qualifizierten Lehrkräften in konkrete Unterrichtspraxis umgesetzt werden. Von der Einlösung dieses Desiderats sind wir noch weit entfernt: Für die ökonomischen Anteile des gymnasialen Faches Wirtschaft-Politik bzw. Sozialwissenschaften gibt es an den meisten nordrheinwestfälischen Hochschulen nur eine rudimentäre Ausbildung; für das Fach Wirtschaft im bisherigen Lernbereich Arbeitslehre an den Haupt- und Gesamtschulen existieren schon seit Jahren keine einschlägigen Studiengänge mehr, und für das neue Fach Wirtschaft an den Realschulen gab es mangels Fach bisher keine Lehrerausbildung. Wir halten es nunmehr für erforderlich,

  • schnellstmöglich eine flächendeckende und regional verankerte Infrastruktur (etwa in der Form des „blended e-learning“) für die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Lehrerfortbildung im Bereich der ökonomischen Bildung aufzubauen,
  • schnellstmöglich Studiengänge für das Fach Wirtschaft an möglichst allen Standorten der universitären Lehrerbildung in NRW einzurichten und die Hochschulen mit den dazu erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen auszustatten,
  • die Expertise engagierter Lehrkräfte (z.B. aus dem Modellversuch Wirtschaft an Realschulen, aus dem Projekt „Praxiskontakte im Wirtschaftsunterricht“ PRAWIS, aus dem Leitprojekt Verbraucherbildung) sowie von Vertretern beider Phasen der Lehrerausbildung für die Entwicklung von Lehrplänen und Fortbildungskonzeptionen zu nutzen,
  • auf wertvolle curriculare Vorarbeiten aus dem Modellversuch Wirtschaft an Realschulen zurückzugreifen und das Anregungspotenzial einschlägiger Curricula und Erfahrungen anderer Bundesländer zu nutzen.

VÖBAS-Mitglieder haben in den Schulen und in der Lehrerfortbildung an dem Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“, am Projekt PRAWIS und am Leitprojekt Verbraucherbildung mitgewirkt. Wir erneuern unsere Bereitschaft, die dabei gewonnenen Einsichten und Erfahrungen in die Konzipierung und Implementierung des Faches Wirtschaft einzubringen.
gez. Dieter Peters, Münster (für VÖBAS NRW)
gez. Dr. Karl-Josef Burkard (für den geschäftsführenden Vorstand des VÖBAS e.V.)
Zum einfacheren Ausdrucken finden Sie eine PDF-Version dieser Erklärung in der Rubrik "Positionen" auf dieser Homepage.

Tage der Geldpolitik 2018 - Bundesbank in Kooperation mit VÖBAS

Montag, April 9, 2018

Lehrerfortbildungen der Deutschen Bundesbank Hannover in Kooperation mit dem VÖBAS e.V. in Hannover, Hildesheim und Osnabrück
 
HANNOVER Dienstag, 17. April 2018, in der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Georgsplatz 5, 30159 Hannover
HILDESHEIM Donnerstag, 23.08.2018, im Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung (KHi) der Stiftung Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1, Gebäude N (Forum),  31141 Hildesheim
OSNABRÜCK Donnerstag, 6. September 2018, in der Filiale Osnabrück der Deutschen Bundesbank, Schlagvorder Straße 27, 49074 Osnabrück (steht auch für Interessenten aus dem Raum Münster offen)
 
Die Veranstaltung bietet an einem Tag drei unterschiedliche Module zur Geldpolitik sowohl für Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden als auch an berufsbildenden Schulen.
10:30 - 13:00 Modul I: "Grundlagen der Geldpolitik"
Referentin Julia von Borstel, Deutsche Bundesbank.
In diesem einführenden Modul  werden die grundlegenden Begriffe wie Inflation und Geldschöpfung erklärt und die Frage behandelt, wie Geldpolitik in 'normalen' Zeiten wirkt, also wie die Zinspolitik der Zentralbank (vor der globalen Finanzkrise) genutzt wurde, um die Inflation zu steuern. Ebenfalls behandelt wird der Aufbau und die Strategie des Eurosystems. Dieses Modul richtet sich vor allem an Kolleginnen und Kollegen, die das Thema Geldpolitik lange nicht oder noch nie unterrichtet haben und einen Einstieg in die Thematik wünschen.
14:00 - 15:30 Modul II: "Didaktisch-Methodische Anregungen und Materialien für die praktische Umsetzung des Themas Geld und Geldpolitik im Unterricht"
Referent Dr. Karl-Josef Burkard, StD a.D., Lehrbeauftragter an der Universität Oldenburg, Herausgeber der Zeitschrift "Unterricht Wirtschaft + Politik", VÖBAS-Vorsitzender.
Dr. Burkard wird  an ausgewählten Unterrichtsbeispielen zeigen, wie Schülerinnen und Schüler ausgehend von konkreten Alltagserfahrungen ein Grundverständnis für aktuelle Fragen der Geldpolitik entwickeln können.
15:45 - 17:30 Modul III: "Aktuelle Fragen der Geldpolitik: Wie kann der Exit aus der Geldflut gelingen?"
Referentin Julia von Borstel, Deutsche Bundesbank.
In diesem abschließenden Modul wird es darum gehen, die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise kennenzulernen, ihre Wirkungsweise zu verstehen und die Frage zu erörtern, wie in Zukunft ein Ausstieg aus der 'Geldflut' gelingen kann.
Anmeldungen sind ab sofort unter folgender Emailadresse möglich: veranstaltungen.hv-bns@bundesbank.de oder julia.von.borstel@bundesbank.de
Bitte geben Sie an, ob Sie an Modul I -III oder an Modul II-III teilnehmen wollen.
Siehe auch: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Termine/Lehrerfortbildung/BNS/201...

Wirtschaft für alle – 5. Tag der ökonomischen Bildung in Münster

Sonntag, April 8, 2018

Rund 110 Personen waren am 14.3.2018 zum 5. Tag der ökonomischen Bildung nach Münster gekommen: Lehrkräfte aller Schulformen, Hochschullehrende und Lehramtsstudierende, die wissen und diskutieren wollten, wie es mit der ökonomischen Bildung im Lande Nordrhein-Westfalen weitergehen soll. Die vom Verband Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen in Kooperation mit dem IÖB Münster und mit Unterstützung des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Münster geförderte Tagung stand ganz im Zeichen der Absicht der nordrheinwestfälischen Landesregierung, flächendeckend ein Fach Wirtschaft einzuführen. „Wirtschaft für alle“ hatten die Veranstalter deshalb als Motto ausgegeben.
Den fachdidaktischen Teufelskreis durchbrechen
Den Auftakt machte der Oldenburger Wirtschaftsdidaktiker Prof. Dr. Dirk Loerwald mit einem Überblick über die Institutionalisierung der ökonomischen Bildung in Deutschland, die im Flickenteppich des deutschen Bildungsföderalismus in eine Unzahl von Fachkonstruktionen und Fachbezeichnungen zersplittert sei: eigenständiges Fach Wirtschaft wie an den niedersächsischen Haupt-, Real- und Oberschulen, Kombinationsfach Wirtschaft und Recht wie in Bayern und Thüringen, Bestandteil von Fächerverbünden wie Arbeit-Wirtschaft-Technik oder von Integrationsfächern wie Sozialwissenschaften oder Politik-Wirtschaft in NRW oder Themenfeld des Faches Politik wie an den rheinlandpfälzischen Gymnasien. Diese Zersplitterung habe gravierende Folgen für die Lehrerbildung, die fachdidaktische Forschung, die curriculare Entwicklung, die Schulbuchproduktion. Nur mit einem obligatorischen Schulfach Wirtschaft könne der fachdidaktische „Teufelskreis“ (kein Fach – keine Studien- und Ausbildungsgänge – keine Fachlehrer – kein Fachunterricht) durchbrochen werden.
Aus dem Modellversuch lernen
In der anschließenden Podiumsdiskussion bilanzierten Andrea Rudel (Erich-Klausener-Realschule Münster), Gregor Wegmann (Fürstin-von-Gallitzin-Schule Münster) und Prof. Dr. Werner A. Halver (Hochschule Ruhr West) ihre Erfahrungen mit dem von der Vorgängerregierung eingestellten Modellversuch Wirtschaft an Realschulen. Die Motivation der Schülerinnen und Schüler sei aufgrund der aktuellen, lebensnahen und handlungsorientiert aufbereiteten Themen ungewöhnlich hoch gewesen. Und dank der festen Verankerung im Fächerkanon sei es leichter möglich gewesen, längerfristig angelegte Projekte durchzuführen, die unter den üblichen schulischen Bedingungen kaum realisierbar seien, z.B. Erkundungen von Supermärkten und Produktionsbetrieben, Planspiele, Umfragen und Expertenbefragungen. Zur Organisation der Praxiskontakte seien zahlreiche Kooperationen mit Betrieben vor Ort eingegangen worden, ohne dass es jemals zu den befürchteten einseitigen Einflussnahmen auf schulische Bildungsprozesse gekommen sei. Den besten Schutz vor einem lobbyistischen Zugriff auf Schule böten ohnehin fachlich qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer und in der Sache mündige Schülerinnen und Schüler. Der Modellversuch habe eindeutig bewiesen, dass ein Schulfach Wirtschaft für Eltern, Schüler und Lehrer attraktiv und bei entsprechenden Aus- und Fortbildungsprogrammen, angemessenen curricularen Vorgaben und geeigneten Unterstützungssystemen mittelfristig umsetzbar sei.
Anregungen für den Unterricht
Auf großes Interesse stießen die Workshops, die ein breites thematisches und methodisches Spektrum eröffneten und vielfältige Anregungen für die Unterrichtspraxis boten. Philipp Hoff von der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe demonstrierte am Beispiel des Themas Steuern den Stellenwert und konkrete Ansatzpunkte finanzieller Allgemeinbildung im Wirtschaftsunterricht der Sekundarstufe I. Prof. Dr. Dirk Loerwald vom IÖB an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lotete anhand praktischer Übungen mit den Teilnehmenden die didaktischen Potenziale von Experimenten zur Erschließung und Reflexion ethischer Herausforderungen wirtschaftlichen Handelns aus. Prof. Dr. Thomas Retzmann von der Universität Duisburg-Essen sowie Dr. Michael Schuhen und Dipl.-Gymnasiallehrer Manuel Froitzheim vom ZöBiS an der Universität Siegen zeigten an den Themen Verbraucherbildung und Marktwirtschaft exemplarisch die Chancen eines interaktiven Wirtschaftsunterrichts mit dem elektronischen Schulbuch auf. Jan-Martin Geiger und Maximilian Schimanski vom Lehrstuhl Entrepreneurship und Ökonomische Bildung an der TU Dortmund führten am Beispiel des Börsenplanspiels „CCC Shareholder“ in die wirtschaftsdidaktische Großform Planspiele ein. Sabine Gans, Lehrerin an der Kurfürst-Balduin-Realschule plus Wittlich und teilabgeordnete Lehrerin an der Universität Trier, berichtete im Workshop „Schülerfirmenprojekte als Möglichkeit ganzheitlicher Kompetenzentwicklung“, wie das Fach Wirtschaft in den Klassenstufen 8 / 9 durch den Projektverlauf eines Schülerfirmenjahres strukturiert werden kann.
Es kam der Staatssekretär
Für die wegen eines kurzfristig anberaumten KMK-Termins verhinderte  Ministerin Yvonne Gebauer sprang ihr Staatssekretär Mathias Richter ein. CDU und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag vom 16.6.2017 ihren Willen bekundet, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren, in dem unter anderem Kenntnisse unserer Wirtschaftsordnung ebenso wie Aspekte der Verbraucherbildung vermittelt werden sollen“.Mathias Richter sprach zunächst über bildungspolitische Herausforderungen im Lande Nordrhein-Westfalen: die Rückkehr von G8 nach G9, die Lösung der Probleme bei der Umsetzung der Inklusion, die Knappheit der personellen und finanziellen Ressourcen. Der Zeit- und Handlungsdruck sei enorm. Und dennoch verliere das Ministerium das Ziel einer breiten ökonomischen Bildung nicht aus den Augen, die zur Urteils- und Handlungsfähigkeit in Fragen der Berufsorientierung, Verbraucherbildung, Wirtschaftsordnung, Wirtschaftspolitik und Weltwirtschaft beitrage. Im Rahmen der vorrangigen Aktualisierung der Kernlehrpläne für das künftige neunjährige Gymnasium komme es zunächst einmal darauf an, den ökonomischen Lernbereich im Rahmen der bestehenden Fächer Politik-Wirtschaft in der Sekundarstufe I und Sozialwissenschaften in der Oberstufe „auszuschärfen“ und auch quantitativ im Rahmen der neuen Stundentafel (188 Stunden in der Sekundarstufe I) zu stärken. Gleichzeitig aber müsse man angesichts grassierender populistischer Tendenzen auch den berechtigten Anliegen der politischen Bildung Rechnung tragen. Bei der Überarbeitung der Lehrpläne werde geachtet auf Fachlichkeit, konkrete Inhalte, fachliche Sachkompetenz, fachspezifische Methodenkompetenz und Beurteilungsfähigkeit. Ziel sei der mündige Bürger. Ein Ja zum Schulfach Wirtschaft hieße aber auch vorher zu „überprüfen, was in anderen Fächern schon an Inhalten vorhanden sei“. Fort- und Ausbildung der Lehrkräfte erforderten die notwendigen Ressourcen. Man befasse sich sehr konkret und „so schnell wie möglich“ mit der Implementierung der ökonomischen Bildung; dabei peile man das Jahr 2020 an.
Lebhafte Diskussion
Den zahlreichen Beteiligten an der anschließenden Diskussion gingen die Ausführungen des Staatssekretärs nicht weit genug. Unverzüglich müsse mit der Änderung der Stundentafeln, mit der Entwicklung neuer Curricula, mit flächendeckenden Fortbildungsveranstaltungen und mit dem Aufbau entsprechender Studiengänge begonnen werden. Man habe Verständnis dafür, dass die Etablierung eines neuen Faches Zeit brauche und dass Übergangslösungen nötig sein könnten. Das Ziel aber müsse klar sein: ein Fach Wirtschaft für alle. Dazu müssten die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen wie an den Universitäten eingebunden werden. Man sei bereit, in Kommissionen und Arbeitskreisen an der Entwicklung von Curricula, Fortbildungskonzepten, Unterrichtseinheiten und Materialien mitzuwirken. Die Zeit der Reden über die Bedeutsamkeit „ökonomischer Bildung“ sei vorbei; jetzt sei die Zeit zu handeln.
Eine kleine Tagungsdokumentation, die nach Möglichkeit noch weiter ergänzt werden wird, finden Sie hier.

Europa und aktuelle Bildungspolitik - 11. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg

Samstag, März 17, 2018

Europa im Fokus
Den inhaltlichen Schwerpunkt des 11. Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung am 9. März 2018 bildete die "Europäische Union zwischen Krise und Aufbruch". In ihrem fulminanten Eröffnungsvortrag zum Thema „Der Brexit und die Zukunft der EU“ skizzierte Dr. Barbara Lippert, Forschungsdirektorin der renommierten „Denkfabrik“ Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) zunächst die nur schwer vereinbaren Positionen in den aktuellen Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union über den Austritt aus der EU und die zukünftigen britisch-europäischen Beziehungen. Im zweiten Teil ihres Vortrags warf sie einen skeptischen Blick auf die Bemühungen, den Zusammenhalt zwischen den politisch, ökonomisch und kulturell auseinanderdriftenden  verbliebenen 27 EU-Mitgliedsstaaten zu bewahren. Im Forum 3 „Europabildung in schwierigen Zeiten“ entwickelte der Gründer und wissenschaftliche Leiter des Oldenburger Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) Prof. Dr. Hans Kaminski die Umrisse eines europapolitischen Gesamtcurriculums, welches die europäische Dimension in allen Phasen des ökonomischen und politischen Unterrichts mitdenkt und mitbehandelt. Vier nachmittägliche Workshops griffen diese Impulse auf. Auf außerordentliche Resonanz stieß der von Arne Stemmann (Universität Oldenburg) und Dr. Michael Koch (IÖB Oldenburg) geleitete Workshop „Was wären wir ohne die EU? Wie Europa unseren Alltag bestimmt - Anregungen für den Unterricht in der Sekundarstufe I“. Aber auch die übrigen Workshops erfreuten sich hoher Besucherzahlen. Im Workshop „Der Brexit im Unterricht“ gab Dr. Karl-Josef Burkard (Universität Oldenburg) didaktisch-methodische Anregungen zur politisch-ökonomischen Einordnung der Brexit-Entscheidungen und –Verhandlungen sowie zur Auseinandersetzung mit den von der EU-Kommission in ihrem Weißbuch vom 1.3.2017 vorgestellten fünf Szenarien zur Zukunft der EU. Dirk Gerlach von der Hauptverwaltung Hannover der Deutschen Bundesbank zeigte in seinem Workshop zum Thema „Einheitliche Geldpolitik für einen heterogenen Wirtschaftsraum“ die nach wie vor nicht wirklich gelösten Probleme und die unklaren Perspektiven der Eurozone auf. Und schließlich weiteten Ludger Hillmann (Altes Gymnasium Oldenburg) und Hartmut Riggers (Bremen) die innereuropäischen Debatten in eine globale Dimension, indem sie am chinesischen Großprojekt „Neue Seidenstraße“ exemplarisch die Herausforderungen beleuchteten, die der Aufstieg Chinas zur Weltmacht für die Europäische Union mit sich bringt.
Bildungspolitik aktuell
Den bildungspolitischen Anspruch des Oldenburger Tags der ökonomischen Bildung dokumentierte nicht nur das gemeinsame Grußwort von Gesa Johannes und Michael Math aus dem Referat 33 des Niedersächsischen Kultusministerium, in dem diese sowohl auf die neuen Vorgaben für die Berufs- und Studienorientierung im Lande Niedersachsen als auch auf das unmittelbar vor der Veröffentlichung stehende neue Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe eingingen. Diese aktuellen Themen wurden auch in zwei Foren aufgegriffen und intensiv diskutiert. Im Forum 2 „Neue Vorgaben zur Berufs- und Studienorientierung in Niedersachsen“ erörterten Karin Benecke, Fachmoderatorin für Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT) und Berufsorientierung, und Prof. Dr. Rudolf Schröder, Inhaber der bundesweit einzigen Professur für Ökonomische Bildung mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung an der Universität Oldenburg, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern praktische Probleme und Realisierungsansätze für die berufliche Orientierung an den verschiedenen Schulformen. Im Forum 1 zum „neuen Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen“ stellte Dr. Karl-Josef Burkard (in Vertretung der erkrankten Stefan Schneider und Dirk Loerwald) zunächst in einer vergleichenden Perspektive Kontinuitäten und Wandlungen der curricularen Entwicklung im Fach Politik-Wirtschaft heraus, um anschließend eine lebhafte Diskussion zu moderieren, in der mit Blick auf die schon jetzt für das Schuljahr 2018/19 zu treffenden Entscheidungen und Vorbereitungen insbesondere Fragen der Verknüpfung von bewertetem Fachunterricht und nicht bewertetem Unterricht zur Berufs- und Studienorientierung aufgeworfen wurden. (Siehe auch die „Problemanzeige“ in der Tagungsdokumentation)
Ausblick:
Der 12. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen findet am Freitag, dem 15. März 2019, in der Universität Oldenburg zum Thema "Strukturwandel. Die Wirtschaftswelt von morgen" statt.
Eine umfangreiche Tagungsdokumentation, die nach Möglichkeit noch weiter ergänzt werden wird, finden Sie hier.

Fast 300 Teilnehmende bei den Tagen der ökonomischen Bildung in Münster und Oldenburg

Samstag, März 17, 2018

Die Tage der ökonomischen Bildung haben sich zu einem Markenzeichen des VÖBAS e.V. entwickelt. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen schätzen offensichtlich die Kombination von Fachinformation, bildungspolitischem Austausch, didaktisch-methodischer Vertiefung und kollegialem Austausch. So kamen trotz der grassierenden Grippewelle am 9. März 2018 über 180 Lehrerinnen und Lehrer aus Niedersachsen und Bremen zum 11. Tag der ökonomischen Bildung in Oldenburg und nur fünf Tage später, am 14. März 2018, rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus NRW zum 5. Tag der ökonomischen Bildung in Münster. Siehe die Tagungsdokumentationen in den entsprechenden Rubriken dieser Website.

Lob und Kritik: Zum neuen Kerncurriculum Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen

Sonntag, November 19, 2017

Der VÖBAS-Vorstand hat eine umfangreiche Stellungnahme zur Anhörfassung des Kerncurriculums (KC) Politik-Wirtschaft für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen verabschiedet. Darin begrüßt er das Festhalten des neuen KC an der grundsätzlichen Gleichrangigkeit von politischer und ökonomischer Bildung, deren unterschiedlichen „Perspektiven“ und „Zugänge“ für die Erkenntnisprozesse im gemeinsamen Fach fruchtbar gemacht werden sollen. Zustimmung findet auch die Entscheidung der KC-Kommission, in der Einführungsphase (Jahrgang 11) den „Wandel der Arbeitswelt in der globalisierten Gesellschaft“ sowie „globale politische und ökonomische Prozesse“ zu thematisieren. Kritisiert werden u.a. die mangelnde Verknüpfung des berufs- und studienvorbereitenden Unterrichts in Klasse 11 mit den Prozessen der Digitalisierung und der Globalisierung, die weitgehende Ausblendung der europäischen Dimension sowie die fehlende Ausdifferenzierung der Wirtschaftspolitik in die zentralen Handlungsfelder der Ordnungs-, Prozess- und Strukturpolitik. Zur vollständigen Stellungnahme geht es hier.

Tage der ökonomischen Bildung 2018 in Münster und Oldenburg

Dienstag, Oktober 31, 2017

Die Ministerin kommt – 5. Tag der ökonomischen Bildung NRW am 14.3.2018 in Münster
Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung, hat zugesagt, beim 5. Tag der ökonomischen Bildung NRW am Mittwoch, dem 14.3.2018, in der Universität Münster ihre Überlegungen für ein Fach Wirtschaft an allen allgemein bildenden Schulen des Landes Nordrhein-Westfalen vorzustellen. Vor dem Auftritt der Ministerin werden wir in Vorträgen, Workshops und Gesprächsrunden mit Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Schule Ziele, Inhalte, Methoden und Gelingensbedingungen des Faches Wirtschaft erörtern. Mehr dazu finden Sie hier.
Europa im Fokus - 11. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen am 9.3.2018 in Oldenburg
"Europa zwischen Krise und Aufbruch" lautet das Thema des niedersächsisch-bremischen Tags der ökonomischen Bildung am Freitag, dem 9.3.2018, in der Universität Oldenburg. Nach dem Fachvortrag von Dr. Barbara Lippert, Forschungsdirektorin der renommierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und ausgewiesene Europaexpertin, zum Thema „Der Brexit und die Zukunft der Europäischen Union“ werden wir parallel drei bildungspolitische Foren zur Berufs- und Studienorientierung, zum neuen Oberstufencurriculum für das Fach Politik-Wirtschaft in Niedersachsen und zur Europabildung anbieten. Und am Nachmittag werden wir in vier Workshops für verschiedene Schul- und Niveaustufen die Bedeutung der EU im Alltag, Probleme und Perspektiven der Eurozone, den Brexit und die Herausforderung Europas durch den Aufstieg Chinas zur Welt(handels)macht vertiefen und für den Unterricht aufbereiten. Mehr dazu finden Sie hier.

Europa-Seminar am 12. - 14. November 2017 in Berlin - jetzt anmelden

Dienstag, Oktober 31, 2017

Perspektiven für die Zukunft der EU
Seminar der Europäischen Akademie Berlin (EAB) in Zusammenarbeit mit dem VÖBAS e.V. vom 12. bis zum 14. November 2017 in Berlin
Sechzig Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge befindet sich die Europäische Union in einer Phase ständiger Krisen, die vielfältige Fragen aufwerfen: Welchen Kurs soll die Europäische Union einschlagen und wie soll ihre Zukunft gestaltet werden? Wie positionieren sich die Krisenländer in Südeuropa und die eher skeptischen Mitgliedstaaten in Osteuropa hinsichtlich weiterer Integrationsschritte? Bildet sich eine neue transeuropäische Zivilgesellschaft heraus, die die gemeinsamen Werte verteidigt? Wie können besonders junge Menschen aktiviert werden, sich dafür einzusetzen? Diesen Fragen wollen wir mit prominenten Referenten nachgehen, beispielsweise mit dem früheren Brüssel-Korrespondenten der ARD Wolf-Dieter Krause, der Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann, dem Mitgründer von „Pulse of Europe“ Alexander Knigge, Vertretern der Bundesbank, des DIHK, des DGB und des Europäischen Parlaments. Zum Programm des vom Auswärtigen Amt unterstützten Seminars gehört auch ein Besuch im Deutschen Bundestag.
Mehr Informationen zum Programm und den Teilnahmebedingungen unter http://www.eab-berlin.eu/event/perspektiven-fuer-die-zukunft-der-eu/
Elektronisches Anmeldeformular: http://www.eab-berlin.eu/event/perspektiven-fuer-die-zukunft-der-eu/#eve...

Schulfach Wirtschaft in NRW –VÖBAS nimmt Stellung

Donnerstag, Juni 22, 2017

Schulfach Wirtschaft in NRW –VÖBAS nimmt Stellung

In ihrem „Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017-2022“ haben CDU und FDP ihre Absicht bekundet, „an allen weiterführenden Schulen das Schulfach Wirtschaft zu etablieren, in dem unter anderem Kenntnisse unserer Wirtschaftsordnung ebenso wie Aspekte der Verbraucherbildung vermittelt werden“ sollen. Zur Begründung heißt es: „Wir wollen Schülerinnen und Schüler besser auf eine selbstbestimmte Lebensgestaltung und einen erfolgreichen Berufseinstieg vorbereiten. Ökonomische Bildung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung.“

Der seit einigen Jahren auch in NRW aktive Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (VÖBAS) begrüßt und unterstützt dieses Vorhaben, das ein Grundanliegen der in unserem Verein zusammengeschlossenen Lehrerinnen und Lehrer aufgreift. Insbesondere finden wir es konzeptionell richtig, dass die Verbraucherbildung, die im Kern eine Aufgabe der ökonomischen Bildung ist, Bestandteil des Faches Wirtschaft sein soll. (Siehe unsere Stellungnahme zur Rahmenvorgabe „Verbraucherbildung in Schule“). Wir regen darüber hinaus an, die Berufs- und Studienorientierung (BOS) fest in den Curricula des Faches Wirtschaft zu verankern, da wesentliche Themen und Inhalte der BOS klassische Gegenstände der ökonomischen Bildung sind.

Damit das ambitionierte Vorhaben einer fachlich verankerten ökonomischen Bildung für alle Schülerinnen und Schüler im Lande Nordrhein-Westfalen gelingen kann, sind nach unserer Erfahrung und Überzeugung folgende Schritte unabdingbar:

  1. Schnellstmögliche Einrichtung eigener Lehramtsstudiengänge für das Fach Wirtschaft an nordrhein-westfälischen Hochschulen, weil ohne eine fachwissenschaftlich und fachdidaktisch qualifizierte Lehrerschaft der Anspruch des Faches verspielt werden könnte.
  2. Für die Übergangszeit Etablierung eines Systems von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen nach dem Präsenz- und Onlinephasen verbindenden Konzept des „Blended e-learning“, weil die Gewinnung von Lehrkräften durch eine grundständige Ausbildung an Hochschulen und Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung einen zu langen Zeitraum in Anspruch nehmen würde.
  3. Zügige Entwicklung von Kerncurricula für das Schulfach Wirtschaft an den verschiedenen Schulformen und Schulstufen, die den Lehrkräften Orientierung und Verhaltenssicherheit bei der unterrichtlichen Realisierung gewähren.

Wir begrüßen außerdem den Willen der Koalitionäre, zur Ausgestaltung des neuen Faches „auf bereits bestehende Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen wie auch aus anderen Bundesländern zurückzugreifen und schulische, außerschulische sowie wissenschaftliche Expertise einzubinden“. In der Tat müssen nicht alle didaktischen Räder neu erfunden werden. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass die zentralen Anliegen des neuen Faches in endlosen Gremienprozessen zerredet werden.

VÖBAS-Mitglieder haben in den Schulen und in der Lehrerfortbildung engagiert an dem von der Vorgängerregierung leider eingestellten Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“ mitgewirkt. Wir sind gerne bereit, die dabei gewonnenen Einsichten und Erfahrungen in die Konzipierung und Implementation des Faches Wirtschaft einzubringen. (Siehe dazu auch unser Memorandum „Wirtschaft an Realschulen – Ökonomische Bildung braucht ein Fach“)

22. Juni 2017, der erweiterte Vorstand des VÖBAS e.V.

Geschäftsstelle: VÖBAS e.V., Blumenstraße 19, 26121 Oldenburg
Email: info@voebas.de Homepage www.voebas.de

Ehrenmitgliedschaft für Hans Kaminski

Freitag, Mai 19, 2017

Ehrenmitgliedschaft für Hans Kaminski
Am 16.5.2017 verlieh der VÖBAS e.V. in einer kleinen Feier dem Gründer und Leiter des IÖB Oldenburg Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Kaminski für seine außerordentlichen Verdienste um die ökonomische Bildung die Ehrenmitgliedschaft. In seiner Laudatio betonte der geschäftsführende VÖBAS-Vorstand, Hans Kaminski habe mit unzähligen Publikationen, Projekten und Initiativen viel getan und viel erreicht, den von ihm beschriebenen „fachdidaktischen Armutskreislauf“ der ökonomischen Bildung (kein Fach – keine fachliche Ausbildung – kein fachlich fundierter Unterricht) zu durchbrechen: Mitgestaltung der politischen und organisatorischen Rahmenbedingungen, Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräfte, Entwicklung, Bereitstellung von Medien, Materialien und Konzepten für den Unterricht, Erforschung der Bedingungen, Prozesse und Resultate ökonomischer Bildung. Ohne sein jahrzehntelanges Engagement gäbe es VÖBAS nicht, denn ursprünglich sei der Verein aus einem von ihm initiierten, konzipierten und geleiteten Weiterbildungskurs für das Wahlfach Wirtschaftslehre an niedersächsischen Gymnasien hervorgegangen. Bis zum heutigen Tag habe er die Arbeit von VÖBAS konstruktiv-kritisch mit Rat und Tat begleitet.  Einen kurzen Zeitungsbericht und die vollständige Laudatio finden Sie hier.

Erfolgreiche Tage der ökonomischen Bildung 2017 in Münster und Oldenburg

Mittwoch, März 22, 2017

„Migration und Integration“ war das gemeinsame Thema der beiden Tage der ökonomischen Bildung in Münster und Oldenburg, die der Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (VÖBAS) e.V. in Kooperation mit den jeweiligen Instituten der Ökonomischen Bildung durchführte. Der 4. Tag der ökonomischen Bildung am 7.3.2017 in Münster mit rund 70 Lehrkräften und Studierenden aus NRW wurde mit dem Vortrag des Bremer Politikwissenschaftlers Dr. Stefan Luft zu „Ursachen und Folgen von Migration und Flucht in der Perspektive der ökonomischen Migrationstheorie“ eröffnet, an den sich eine lebhaft geführte Podiumsdiskussion mit dem Referenten sowie Erik Freedman von der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren für NRW (LaKi), Stefan Metzger vom Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ der Universität Siegen und Julia Rösmann von der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster anschloss. In den nachmittäglichen Workshops referierten Prof. Dr. Rudolf Schröder von der Universität Oldenburg über „Berufsorientierung in der Einwanderungsgesellschaft“ und Dr. Karl-Josef Burkard (Oldenburg) über „Migration und Integration als Thema im politisch-ökonomischen Unterricht der Sekundarstufen I und II“. Jeweils ein „Marktplatz“ mit Ständen von Schulbuchverlagen und zivilgesellschaftlichen Initiativen komplettierte die beiden Tage der ökonomischen Bildung in Münster und Oldenburg. Der 5. Tag der ökonomischen Bildung für NRW wird am 27.2.2018 wieder in der Universität Münster stattfinden. Einen ausführlichen Tagungsbericht und eine kleine Tagungsdokumentation finden Sie hier.
 
Der 10. Tag der ökonomischen Bildung am 17.3.2017 in Oldenburg für Niedersachsen und Bremen fand mit rund 160 Teilnehmern eine ähnlich große Resonanz wie frühere Tagungen. Nach der Einführungsrede des VÖBAS-Vorsitzenden Kajo Burkard und den Ausführungen von Prof. Dr. Dirk Loerwald zu aktuellen Projekten des IÖB Oldenburg verwies Astrid Weist vom Niedersächsischen Kultusministerium auf die Bedeutung der Sprache als Schlüsselkompetenz für schulischen und beruflichen Erfolg. Deshalb arbeite man an Konzepten für einen sprachsensiblen Fachunterricht, um die Ausbildungs- und Studierfähigkeit der Schulabgänger mit Migrationshintergrund zu gewährleisten. Den Hauptvortrag hielt Prof. Dr. Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück über „Historische Perspektiven und aktuelle Herausforderungen von Migration und Integration“. Er wies darauf hin, dass entgegen einer verbreiteten Meinung das Niveau der globalen Migration in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend konstant geblieben sei. Als einen Grund, weshalb Deutschland 2015/16 Ziel globaler Fluchtbewegungen geworden ist, nannte er insbesondere die positiven Zukunftserwartungen, mit denen die Schutzsuchenden die Bundesrepublik verbinden. - Zusammen mit Jochen Oltmer und Dirk Loerwald diskutierten in der anschließenden Podiumsdiskussion Heiner Paffenholz, Fachkräfteberater und Flüchtlingskoordinator der Oldenburgischen IHK, Frank Sänger, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven, sowie Matthias Welp, Leiter des Amtes für Schule und Bildung der Stadt Oldenburg, über Ansatzpunkte zur besseren Integration von Migranten in das Bildungs- und Beschäftigungssystem. - Fünf unterrichtsbezogene Workshops schlossen die Tagung ab: Berufsorientierung in der Einwanderungsgesellschaft; Integration von Migranten und Geflüchteten in Ausbildung und Beruf. Erfahrungen aus dem betrieblichen Alltag; Migration und Integration als Thema im politisch-ökonomischen Unterricht; Asylrecht, Ausländerrecht, Migrationsrecht – systematischer Überblick und Fallbeispiele; Mehr als Dönerbude & Co: Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland. Der 11. Tag der ökonomischen Bildung für Bremen und Niedersachsen wird am 9.3.2018 wieder in der Universität Oldenburg stattfinden. Eine umfangreiche Tagungsdokumentation mit Berichten, Tagungsunterlagen und Präsentationen finden Sie hier.

Zerrbilder statt Kritik - Stellungnahme zur Polemik gegen die ökonomische Bildung

Sonntag, Januar 22, 2017

In einer umfangreichen Stellungnahme weist der erweiterte Vorstand des VÖBAS e.V. die in der Dezemberausgabe 2016 der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ (E&W) verbreiteten Zerrbilder der ökonomischen Bildung entschieden zurück. Als höchst polemisch und unfair und einer sachlichen Auseinandersetzung abträglich empfunden wird die in den Artikeln teils explizit, teils implizit vorgenommene Gleichsetzung der jahrzehntelangen Bemühungen um die Implementation des wirtschaftlichen Lern- und Handlungsfeldes in das Fächerspektrum aller allgemein bildenden Schulen mit einigen in der Tat inakzeptablen Formen lobbyistischer Einflussnahme auf Schule. Anders als von den Autoren unterstellt verstehen die im VÖBAS e.V. organisierten Lehrkräfte ökonomische Bildung als integralen Bestandteil allgemeiner Bildung, ohne welche die Komplexität moderner Wirtschaftsgesellschaften undurchschaubar bleibt. Nicht Verklärung bestehender Verhältnisse, wie in einem der Beiträge behauptet, sondern Aufklärung über ökonomische Strukturen, Interdependenzen und Probleme sei das Kernanliegen von Wirtschaftsunterricht. Die volle Stellungnahme finden Sie hier.

Wie schaffen wir das? 4. Tag der ökon. Bildung am 7.3.2017 in Münster

Mittwoch, November 30, 2016

Die letzten Notunterkünfte werden wohl bald geräumt sein. Aber die größeren Herausforderungen stehen noch bevor: die Eingliederung der längst Eingewanderten und der erst kürzlich nach Deutschland Geflüchteten in das Bildungs-, Beschäftigungs- und Gesellschaftssystem. Die damit verbundenen Fragen beschäftigen insbesondere Lehrkräfte, die Kinder, Jugendliche und Heranwachsende auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft begleiten.
Das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) Münster und der von Lehrkräften gegründete und getragene Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (VÖBAS) e.V. haben daher für den 4. Tag der ökonomischen Bildung, der am Dienstag, dem 7. März 2017, von 9.00 Uhr bis 15.15 Uhr in den Räumen der Universität Münster (Scharnhorststraße 100) stattfinden wird, das Thema „Migration und Integration als Herausforderung für die ökonomische Bildung“ gewählt.
Die Tagungsthematik wird zunächst von PD Dr. Stefan Luft, Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen, fachlich umrissen und anschließend in einer Podiumsdiskussion mit Repräsentanten aus Wissenschaft, Arbeitsagentur, Verwaltung und Wirtschaft erörtert werden. In praxisbezogenen Workshops werden einzelne Aspekte didaktisch und methodisch konkretisiert und vertieft: Berufsorientierung in der Einwanderungsgesellschaft, Migration und Integration als Thema im politisch-ökonomischen Unterricht der Sekundarstufen I und II, Europäisches Asyl- und Flüchtlingspolitik im Planspiel.
Diese Tagung ist eine vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW anerkannte „Fortbildungsveranstaltung freier Träger”.
Das detaillierte Tagungsprogramm mit Hinweisen zur Anmeldung finden Sie hier.

Stellungnahme zur NRW-Rahmenvorgabe Verbraucherbildung

Freitag, November 25, 2016

Im Rahmen der Verbändebeteiligung hat der erweiterte Vorstand des VÖBAS e.V. zur nordrhein-westfälischen Rahmenvorgabe „Verbraucherbildung in Schule – Primarstufe und Sekundarstufe I“ Stellung genommen. In der Erklärung heißt es u.a.: "Als Verband, der sich bundesweit für die Förderung und Etablierung der ökonomischen Bildung im allgemein bildenden Schulwesen einsetzt, teilen wir die Grundintention der Rahmenvorgabe, schulform- und bildungsgangübergreifend zur Herausbildung eines verantwortungsbewussten, reflektierten und selbstbestimmten Konsumverhaltens beizutragen, das sich in den Handlungsfeldern Finanzen, Marktgeschehen und Verbraucherrecht, Ernährung und Gesundheit, Medien und Information sowie nachhaltiger Konsum und Globalisierung zu bewähren hat. Aufgrund jahrzehntelanger praktischer Erfahrungen mit fächerübergreifenden Querschnittsaufgaben (z.B. Gesundheitserziehung, Umweltbildung, Verkehrserziehung etc.) stellen wir aber den von Nordrhein-Westfalen gewählten Weg in Frage, Verbraucherbildung in der Schule primär als Summe der Beiträge einzelner Leitfächer, Fächer, fachübergreifender Vorhaben, außerunterrichtlicher Projekte und außerschulischer Praxiskontakte zu realisieren. Die Verteilung der Verbraucherbildung auf eine Vielzahl von Fächern, die im Idealfall in fächerübergreifenden Projekten zusammenwirken, überfordert aufgrund der sehr unterschiedlichen fachspezifischen Zugänge und des enormen koordinativ-organisatorischen Aufwands vor allem im Sekundarbereich I Lehrende wie Lernende."
Den vollen Wortlaut der Erklärung finden Sie auf dieser Homepage in der Rubrik "Positionen".